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Faule Eltern sind gute Eltern

Faule Eltern sind gute Eltern

Erziehungs- und Elternratgeber gibt es fast so viele wie Kinder im Land. Die meisten davon sind unnütz, weil sie Tipps geben, die sich eigentlich jeder selber geben kann. Doch manchmal sind auch kluge und originelle Bücher für ratsuchende Mütter und Väter auf dem Markt – wie der „Leitfaden für faule Eltern“.


Faule Eltern sind gute Eltern. Weil faule Eltern Zeit für sich selbst haben und ihre Kinder nicht pausenlos mit ängstlicher Aufmerksamkeit, neuen Spielsachen, teuren Freizeitaktivitäten und Nachhilfestunden überschütten. Das klingt verblüffend und es klingt verführerisch. Und es ist durchaus vernünftig. „Lassen Sie Ihre Kinder einfach in Ruhe“, empfiehlt Tom Hodgkinson in seinem „Leitfaden für faule Eltern“. Entscheidend sei nicht, was man als Mutter oder Vater für das Kind tut – also wie viel Beine man sich täglich für die lieben Kleinen ausreißt, damit der Nachwuchs wächst und gedeiht. Entscheidend ist, findet Hodgkinson, welche Beziehung man als Eltern zu seinem Kind aufbaut.

Der Autor rät, zumindest so lange die Kinder noch klein sind, möglichst wenig Zeit für den Gelderwerb aufzubringen und umso mehr für das Familienleben. Ein Leben auf Hartz-IV-Niveau, um glücklich zu sein? Eher nicht. Um Kinder großzuziehen, braucht es gar nicht so viel Geld, meint Hodgkinson. Man müsse eben auf teuren Firlefanz wie die neuesten Gadgets, Ausflüge in Freizeitparks, große Urlaubsreisen und dergleichen mehr verzichten. Ein Auto, um die Kleinen zum Tennisunterricht zu karren? Doppelte Verschwendung.

Faule Eltern sind sparsame Eltern. Gute, weil faule Eltern wollen keine Turbokinder, sondern ein glückliches Familienleben. Hodgkinson entwirft in seinem Buch das Gegenmodel zu den ehrgeizigen Tigermamas und Sarrazins dieser Welt: „Ich habe meine drei Kinder beobachtet und eindeutig festgestellt: Je mehr sie ignoriert werden, umso besser.“ Eltern sollten sich nicht ständig einmischen, findet der Autor. So lernt das Kind sich selbst zu beschäftigen, statt von den Eltern bespaßt zu werden, und zum Beispiel im Haushalt mitzuhelfen. Davon profitieren beide Seiten. Kinder werden selbstständiger, die Eltern bleiben entspannt. So entspannt, dass sie sogar ausschlafen können, derweil die hungrigen Kinder ihr Frühstück selber zubereiten.

Hodgkinson geht sogar so weit, einen möglichst kompletten Konsumverzicht zu üben, aufs Land zu ziehen und Schweine zu züchten. Eine etwas idyllische Späthippie-Vision. Aber darüber nachdenken, was Kinder (und Eltern) wirklich brauchen, kann man allemal. Der schicke Laptop, der Chinesischkurs und eine perfekte Markenküche sind es definitiv nicht.
Tom Hodgkinson: „Leitfaden für faule Eltern“, erschienen bei rororo, 320 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro, ISBN 978-3-499-62672-2

Von der Sorte „überflüssige Ratgeberliteratur“ ist das dünne Bändchen „88 Dinge, die Sie mit Ihrem Kind gemacht haben sollten, bevor es auszieht“. Ein Titel, der wenn schon nicht besonders hilfreich sein mag, so doch eine humorvolle Lektüre vorgaukelt. Das Buch von Hans Rath und Edgar Rai ist aber weder humorvoll noch nützlich, sondern eine altbackene Ansammlung von belanglosen Tipps und platten Weisheiten. Die Autoren empfehlen allen Ernstes, man solle sich mit dem Kind zusammen einen Sonnenbrand holen (Tipp 16), dem Nachwuchs ein Instrument beibringen (Tipp 34) und mit der Brut Paris besuchen (Tipp 57). Und natürlich, weil pädagogisch wertvoll, den Wert von Freundschaft vermitteln und gemeinsam anspruchsvolle Musik hören. Da fallen einem doch sofort 101 Dinge ein, die man lieber mit seinem Kind machen möchte. Oder schon längst gemacht hat.
Hans Rath, Edgar Rai: „88 Dinge, die Sie mit Ihrem Kind gemacht haben sollten, bevor es auszieht“, erschienen bei rororo, 224 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro, ISBN 978-3-499-62673-9

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