Familienpolitik

Wo bleibt das Kind, wenn Mama arbeiten will?

Wo bleibt das Kind, wenn Mama arbeiten will?

Fast eine halbe Million Mütter in Deutschland mit Kindern im Grundschulalter würden gerne wieder ins Berufsleben zurückkehren – verlässliche Betreuungsangebote für den Nachwuchs vorausgesetzt. Die sind nämlich Mangelware – und werden es wohl auch bleiben.

Laut einer Untersuchung des Allensbacher Instituts für Demoskopie halten 60 Prozent der Mütter Beruf und Familie mit Schulkindern für nicht gut vereinbar. Jeweils über 60 Prozent wünschen sich daher verstärkte Nachmittags- und Ferienbetreuung, damit der Job nicht leidet.

Angesichts dieser Zahlen will Bundesfamilienministerin Kristina Schröder die Vereinbarkeit von Kind und Karriere verbessern. „Studien zufolge wollen neun von zehn Müttern neben der Familie auch beruflich tätig sein“, stellt die Ministerin fest. Viele Mütter mit Kindern im Grundschulalter können ihrem Wunsch nach Berufstätigkeit aber gar nicht nachkommen, weil es an Betreuungsmöglichkeiten mangele. Die Ministerin  fordert flexible, bezahlbare und verlässliche Angebote für Schulkinder am Nachmittag. Davon könnten nicht nur die Mütter profitieren, sondern auch die Wirtschaft, die auf diesem Wege dem steigenden Fachkräftemangel entgegensteuern könnte.

Um diesen Missstand zu beseitigen, setzt die Ministerin auf die sogenannten „Lokalen Bündnisse für Familie“. Diese Initiative startete 2004 unter Schröder- Vorgängerin Ursula von der Leyen, um Lebens und Arbeitsbedingungen für Familien durch bedarfsorientierte Projekte wie Altenpflege, Kinderbetreuung und Hilfen für Langzeitarbeitslose zu verbessern. Vor Ort und auf freiwilliger Basis sollen Unternehmen, Kommunen und Verbände dafür sorgen, dass zum Beispiel mehr Betreuungsangebote geschaffen werden. Bisher gibt es in über 600 Städten und Gemeinden derartige Bündnisse, Angaben des Ministeriums zufolge sind sie für 5200 Projekte verantwortlich. Belastbare Zahlen über die Zunahme an Betreuungsplätzen seit dem Start der Initiative gibt es nicht.

Viele dieser Bündnisse scheinen aber bislang über wolkige Absichtserklärungen, Bastelnachmittage, Schulmusikwettberbe und Straßenfeste nicht hinausgekommen zu sein. Wohl auch, weil außer guten Worten kein Geld aus Berlin in diese Projekte fließt. Es bleibt schleierhaft, wie auf diesem Wege mehrere Hunderttausend zusätzliche  – freiwillige – Betreuungsangebote geschaffen werden sollen – Angebote, die professionell gestaltet und dabei auch für die Eltern bezahlbar sind. Ohne politischen Druck und erhebliche finanzielle Mittel wirds wohl nicht gehen, wenn die Regierung ernsthaft etwas für berufstätige Eltern tun will.

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