Kita-Ausbau: Rechtsanspruch auf der Kippe
Ab 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Dann sollte theoretisch jedes dritte Kind zwischen ein und drei Jahren einen Betreuungsplatz in Deutschland bekommen. Praktisch sollte sich jedoch keine Familie darauf verlassen, dass das auch klappt.
Ab 2013 sollen alle Kinder vom ersten Geburtstag an einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz bekommen. So haben es Bund, Länder und Gemeinden 2007 entschieden. In zwei Jahren soll es dann insgesamt bundesweit 750.000 Kindertagesplätze für Ein- bis Dreijährige geben.
Einem Spiegel-Online-Bericht zufolge dürfte das ehrgeizige Ziel aber kaum zu erreichen sein. Seit 2008 werden zwar verstärkt Krippenplätze eingerichtet, aber von der angestrebten Zahl ist man noch weit entfernt. Stand März 2010 gab es 472.000 Betreuungsplätze für Kinder bis drei Jahren. Bis 2013 müssten also noch 278.000 dazukommen – jeden Monat 8000 bis 11.500. Die Kosten dafür werden mit sechs bis neun Milliarden Euro veranschlagt. Geld, das die Kommunen, die im wesentlichen für den Ausbau der Krippenplätze zuständig sind, gar nicht haben.
Das zweite Problem: mehr Krippenplätze erfordern mehr Erzieher. Schätzungen gehen von 9000 bis 60.000 fehlenden Fachkräften bis 2013 aus. Ausreichend Nachwuchs für den Erzieher-Berruf ist aber offenbar angesichts hoher Anforderungen und schlechter Bezahlung nicht in Sicht.
Selbst wenn dereinst die angepeilte Dreiviertelmillion Plätze stehen – es könnten trotzdem nicht genug sein. Bei der Planung ging man von einer Bedarfsquote von 35 Prozent aus. Neue Annahmen halten es für möglich, dass der Anteil der Eltern, die einen Betreuungsplatz für ihr Kleinkind benötigen, deutlich steigt – auf ca. 40 bis 60 Prozent.
Bekanntes Sonderproblem für den Westen der Republik: Während in manchen Ostländern die Marke von 35 Prozent bereits heute übertroffen wird, bieten viele westliche Bundesländer gerade mal 14, 15 Prozent der Kleinkinder einen Betreuungsplatz.
2011 ist ein großes Wahljahr in Deutschland. In sieben Bundesländern wird gewählt. Schon jetzt übertreffen sich die Politiker wieder mit Versprechungen für Familien, auch in Sachen Kinderbetreuung. In Hamburg werben SPD, CDU, Die Grünen und die FDP mit der zumindest schrittweisen Abschaffung der Kitagebühren, die erst vor Kurzem erhöht wurden. Ein schönes Wählergeschenk – aber wer es zahlen soll, hat noch kein Politiker der staunenden Bürgerschaft verraten. Wie auch, wenn schon das Geld für den Ausbau der Betreuungsplätze knapp sein dürfte.