THE KIDS ARE ALL RIGHT
Die Familie von Joni und Laser ist wie alle anderen auch – fast. Mit dem Unterschied, dass sie zwei Mütter haben. Wie es sich in einer solchen Familie lebt, ist ab 18. November im Kino zu sehen.
Das lesbische Paar Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) ließ sich – durch den gleichen Spender – künstlich befruchten. Jede der beiden trug ein Kind aus und so bilden sie mit ihrer Tochter Joni (Mia Wasikowska) und ihrem Sohn Laser (Josh Hutcherson) eine glückliche Familie. Während Nic die toughe der beiden Mütter ist und die Familie ernährt, ist Jules eher die weiche und versucht sich als Landschaftsarchitektin.
Laser bittet seine Schwester Joni, die bereits 18 ist und bald aufs College gehen wird, ihm vor ihrem Umzug noch einen Gefallen zu tun. Er möchte endlich ihren gemeinsamen biologischen Vater kennenlernen. Obwohl Joni der Idee skeptisch gegenübersteht, erklärt sie sich schließlich bereit, ihrem Bruder zu helfen. Der Samenspender von damals ist schnell aufgespürt und es kommt zu einem ersten Treffen: Paul (Mark Ruffalo) ist ein cooler Typ, der ein angesagtes Bio-Restaurant besitzt. Laser und Joni sind begeistert von ihrem biologischen Vater. Doch was sollen sie ihren Müttern sagen? Die wären sicherlich nicht angetan von der ganzen Geschichte. Schließlich rückt Laser mit der Sprache heraus und Paul wird zum gemeinsamen Abendessen eingeladen.
Der charmante Single macht besonders auf Jules Eindruck, während Nic ihre Skepsis im gegenüber nicht ganz verbergen kann. Doch Paul bietet Jules an, seinen Garten zu gestalten und die nimmt das Angebot dankend an. Nun sehen sie beiden sich fast täglich und es baut sich eine gewisse Spannung zwischen ihnen auf…
Auch Joni und Laser bauen eine immer innigere Beziehung zu Paul auf – für sie gehört er mittlerweile praktisch zur Familie.
In dieser Familie ist jeder auf der Suche nach sich selbst. Und als Paul auftaucht, gerät die Sache so richtig ins Rollen. Joni und Laser haben plötzlich so etwas wie eine Vaterfigur. Jules freundet sich mit dem gutaussehenden Mann an. Klar, dass Nic das nicht kalt lässt – sie ist eifersüchtig und verletzt. So kommt es zum Konflikt zwischen den beiden Müttern und schließlich auch zwischen den Müttern und ihren Kindern. Paul rüttelt die Familienverhältnisse quasi einmal auf und schüttelt sie ordentlich durch, bis jeder schließlich seinen Platz findet.
“The Kids Are All Right” wurde auf der diesjährigen Berlinale außer Konkurrenz gezeigt und erntete viel Beifall. Die warmherzige Komödie begeistert durch ihre liebenswerten Charaktere, ihren charmanten Humor und vor allem mit einer neuen Idee. Das Thema Homoehe wird in Komödien ja eher selten ernsthaft behandelt. Doch Regisseurin Lisa Cholodenko ist es gelungen, ein glaubhaftes Familienporträt zu zeichnen, ohne lehrhaft oder gesellschaftskritisch zu wirken.
Kritisieren will der Film nicht. Es gibt keine einzige Szene, in der Anfeindungen gegenüber dem homosexuellen Paar zu finden wären. Stattdessen geht es hier wirklich um eine im Grunde ganz normale Familie. Die Geschichte an sich hätte auch funktioniert, wenn die Eltern ein heterosexuelles Paar wären. Doch genau hier wird klar, dass homosexuelle Paare genau dieselben Probleme haben wie heterosexuelle auch.
Mit “The Kids Are All Right” ist der Spagat zwischen Unterhaltung und der Vermittlung interessanten Inhalts wirklich gelungen.
Kinostart: 18. November 2010; Regie: Lisa Cholodenko; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 104 Minuten; Verleih: Universal; Link: thekidsareallright/
Text: Cinja Leuschner