Familienleben

Noch unterstützt – oder schon verpäppelt?

Noch unterstützt – oder schon verpäppelt?

Unterstützen, fördern, verwöhnen – in jüngster Zeit ist eine große gesellschaftliche Debatte darüber entstanden, ob Mütter und Väter in Deutschland vielleicht zu viel für ihre Kinder tun.

Tun Eltern zu viel für ihre Kinder? Von Einschlafen bis Einkaufsbummel: In  ELTERN antworten Experten auf typische Verwöhn-Fragen von Müttern und Vätern

Beispiel Einschlafen: Wie viel Hilfe brauchen kleine Träumer? Helmut Keudel, Kinderarzt und Buchautor, gibt grünes Licht für Einschlafrituale: „Vor allem im ersten Lebensjahr fällt es den meisten Kindern schwer, allein einzuschlafen. Einschlafrituale wie eine halbe Stunde Kuscheln sind völlig in Ordnung.“ Und wenn das Kind mit drei Jahren immer noch nachts ins große Bett kommt? „Das darf es auch“, sagt der Experte – solange es sich ruhig verhält. Nicht einlassen sollte man sich auf Gewohnheiten, die quälend sind für die Eltern. Mama beim Einschlafen stundenlang am Ohr zupfen? Nachts Bücher angucken? Da hilft nur ein liebevolles Nein.

Beispiel Einkaufen: Ist Geiz wirklich so toll? Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaften: „Wenn Shopping-Trips für das Kind nicht zum Normalfall werden, sind sie okay – Eltern sollten ein Kind mit seinen materiellen Wünschen nicht grundsätzlich im Regen stehen lassen.“ Dass Großeltern oft besonders verwöhnen, ist auch in Ordnung, solange sich daraus kein subtiler Machtkampf um die Gunst der Kleinen entwickelt. Entscheidend ist, so Aufenanger, dass Kinder nicht blind in die Konsumfalle tappen: „Wenn sie nie lernen, auf die Erfüllung eines Wunsches zu warten, bringt man sie um ein besonders schönes Gefühl: die Vorfreude.“

Beispiel Essen: Ist mein Kind ein kleiner Gourmet oder nur mäkelig? Dagmar von Cramm, Ernährungsexpertin und Autorin: „Oft übersehen Mütter und Väter in puncto essen, dass ihr Kind längst einen Schritt weiter ist und man ihm etwas mehr zumuten kann – zum Beispiel die Brotscheibe im Ganzen und mit Rinde zu essen.“ Krippe und Kindergarten seien ein gutes Training für mäkelige Esser: Bei so vielen Tischgenossen erfahren die Kleinen frühzeitig, dass es nicht jeden Tag eine Extrawurst gibt. Eine Erfahrung, die auch sonst im Leben hilfreich ist.

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