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Reality-TV verführt Jugendliche zu Schönheits-OPs

Reality-TV verführt Jugendliche zu Schönheits-OPs

TV-Shows über Schönheitsoperationen haben enormen Einfluss auf Jugendliche und deren Körperbild. Mediziner warnen vor Nachahmung der Shows: Was sich im TV als Realität gibt, ist medizinisch bedenklich.


Das haben Psychologen der Rutgers-Camden University nun in der Untersuchung von 200 Studenten gezeigt. Die Rückmeldungen auf das Ansehen dieser Sendeformate lauteten oft: „Inspirierend“ oder „Ich sah, wie ein unglückliches Mädchen ihren Traum erfüllte.“ Die US-Forscher sehen dies als Alarmzeichen, denn: „Es gibt keinen Nachweis, dass kosmetische Chirurgie Jugendliche glücklicher macht.“

„Reality-TV hat den Andrang von Jugendlichen für Schönheits-OPs erhöht“, bestätigt Albert Hofmann von der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC). Statt sich darüber zu freuen, kritisiert der Mediziner die Sendungen scharf. „Brust- und Nasen-OPs langweilen heute, deshalb setzt man auf Sensationsgeschichten, die aus dem Nichts eine Prinzessin oder einen Prinz entstehen lassen. Was hier gezeigt wird, hat jedoch überhaupt nichts mit Realität zu tun“, so der Mediziner.

Falsch ist dieses Bild für Hofmann deshalb, da Schönheits-OPs kein Friseursbesuch sind, sondern schwere Körperverletzungen, deren Narben mitunter lebenslang entstellen. Jugendliche hätten davon keine Vorstellung. „Zudem führt in die Irre, dass die Teilnehmer dieser Shows zuvor im Trainingsanzug, im ‚Nachher’-Bild aber stets nach der Einkleidung durch Modeberater sowie nach Profi-Behandlung von Frisur und Make-Up dargestellt werden. Das ist in der Show, jedoch nicht im Alltag möglich.“

„Jugendliche haben es nicht nötig, ihren Körper chirurgisch zu verändern“, so das Credo des Experten. Immer wieder würden sie daher von Chirurgen nach einem aufklärenden Gespräch auch abgewiesen. Doch nicht alle nehmen es genau mit der Ethik. „Bei manchen Kollegen ist der Patient kein Mensch, sondern Kunde. Jugendliche sind für kommerziell ausgerichtete Kliniken lukrativ, da man länger und bereitwilliger wiederkommt, wenn man schon früh in das Fahrwasser der Schönheits-OPs kommt“, kritisiert der Experte. Die Teilnahme an derartigen Reality-Shows sei nicht mit dem Berufsverständnis eines Mediziners vereinbar. „Wer als Arzt mitmacht, macht sich mitschuldig.“

Medien spielen mit
Dass Jugendliche die Inhalte der TV-Formate übernehmen, erklärt der Züricher Medienwirkungsforscher Heinz Bonfadelli mit der sogenannten Kultivierungsthese. Fernsehen liefert demnach Vorstellungen für das eigene Leben – und auch für den Körper. „Das betrifft vor allem den Schönheitswahn sowie die Schlankheitsvorstellungen von Frauen und Männern.“ Etwas weniger direkt als in Reality-Shows, jedoch ebenso wirksam vermitteln dieselbe Botschaft laut dem Experten auch Formate wie Superstar, Top-Model oder diverse MTV-Shows.

„Schönheits-OP-Shows bewegen sich in einem Graubereich“, so Bonfadelli. Plastische Chirurgen dürfen als Ärzte in vielen Ländern keine direkte Werbung machen, dennoch suchen sie vereinzelt sehr gezielt nach Medienpräsenz. Dass viele Medien – besonders von Anzeigen abhängige – das Thema aufgreifen, sei häufig auf deren wirtschaftliche Interessen zurückzuführen. „Medienpädagogik sollte an den Schulen derartige Interessen durchleuchten und damit aufklären. Zudem ist zu wünschen, dass Journalisten in ihrer Ausbildung mehr sensibilisiert werden für die Existenz derartiger Einflüsse.“

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