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AUFTAUCHEN

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Was wird aus einer Familie, wenn durch einen Schicksalsschlag die schöne Fassade vom vollkommenen Glück zusammenbricht?



Nach außen sind die McKotchs eine geradezu perfekte Familie. Paulette, Tochter aus gutem Hause, ihr Ehemann Frank, ehrgeiziger Wissenschaftler und ihre drei Kinder Billy, Gwen und Scott. Doch das Bild einer glücklichen amerikanischen Familie trügt. Als bei der 13-jährigen Gwen das Turner-Syndrom diagnostiziert wird, eine Krankheit, die sie für immer im Körper eines Kindes gefangen halten wird, zeigt sich an diesem Schicksalsschlag, wie einsam ein jeder von ihnen ist. Jeder von ihnen hat mit eigenen Ängsten, Wünschen und Erwartungen zu kämpfen. Die Familie zerbricht: Zu hoch sind die Erwartungen, die alle haben, zu groß die Zweifel an der Liebe zueinander.

Erst Jahre später, als junge Frau, gelingt es Gwen, ihrem Schicksal zu trotzen. Als sie sich verliebt und ihre Liebe erwidert wird, hat sie das Gefühl, endlich aufzutauchen und befreit zu sein. Doch ihr unverhofftes Glück löst in ihrer Familie fatale Emotionen aus.

Der Roman liest sich anfangs wie eine leichte Sommerlektüre: Alles beginnt im Sommer 1976 mit einem Familienurlaub auf Cape Cod. Der Leser bewegt sich in der oberflächlichen, leicht gelangweilten „Heile Welt“-Sicht von Paulette. Und da ist es nur zu verständlich, dass sie die Treue ihres Mannes anzweifelt, der allerdings außer sich selbst nur seine Arbeit über alles liebt. Aus Paulettes Perspektive funktionieren ihre Kinder wie folgt: Billy, der wohlerzogene Junge, der eine glänzende Zukunft vor sich hat. Gwen, die endlich erwachsen werden will, aber immer noch wie ein Kind aussieht. Scott, ungestüm und unkontrolliert.

Familie als Schicksal ist das Thema des Romans. Autorin Jennifer Haigh lässt von Anfang an durchblicken, dass sich hinter jedem Protagonisten mehr verbirgt. Das fesselt den Leser und er will unbedingt wissen, wie es hinter der glücklichen Fassade der Familie aussieht. Die Erzählperspektive springt von einer Figur zur nächsten, und damit schafft  Jennifer Haigh unglaublich realistische Charaktere. Schicht um Schicht wird die Illusion einer perfekten, einer glücklichen Familie abgetragen und die wirklichen, hässlichen Wunden, Narben und Risse offen gelegt, die alle fünf Familienmitglieder voneinander trennen. Wie mit einer Lupe blickt sie in das Innere ihrer Figuren und bringt deren zerstörte Hoffnungen, vergebliche Träume und tatsächliche Ängste ans Tageslicht. Durch die Erinnerungen an die Vergangenheit erfährt der Leser nach und nach, was nach Gwens Diagnose geschehen ist, wie sich Frank und Paulette kennengelernt haben und warum ihre Ehe schließlich scheitert.

Jeder ist auf seine Weise gescheitert – das erkennen die Charaktere im Verlauf des Romans. Ausgerechnet Gwen taucht als erste aus der „Heile Welt“-Familie auf und akzeptiert, dass das Leben nicht perfekt ist, dass es aber trotzdem gut sein kann. Diese Entscheidung treibt jeden in ihrer Familie dazu, Stellung zu beziehen und sich einzumischen. Durch diese Einmischung wird erst wirklich klar, wie die einzelnen Charaktere zueinander stehen.

„Auftauchen“ ist ein Roman, der von der ersten Seite an fesselt und nicht mehr loslässt. Er legt schonungslos offen, wie viele Chancen wir verpassen, wie viel in jedem einzelnen Leben schiefgehen kann und dass man seine Familie niemals los wird, auch wenn man noch so sehr versucht zu fliehen.
Jennifer Haigh: „Auftauchen“, Droemer, 528 Seiten, 19,95 Euro, ISBN3-426-19859-2

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