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JUNGS BLEIBEN JUNGS

JUNGS BLEIBEN JUNGS

Zwei Vierzehnjährige auf der Jagd nach dem „ersten Mal“, – das ist der rote Faden dieser recht authentischen Komödie über die stürmischste und lustigste Epoche im Leben eines Mannes, nämlich die der Pubertät!


Der 14-jährige Hervé (Vincent Lacoste) ist ein ganz normaler Teenager, der mit seiner Mutter (Noémie Lvovsky) in einer Wohnsiedlung in Rennes (Bretagne) lebt. Für ihn und seinen besten Freund Camel (Anthony Sonigo) gibt es eigentlich nur ein Thema: Mädchen. Jedoch will es mit dem anderen Geschlecht so gar nicht klappen, jeder Annäherungsversuch scheitert kläglich.

Eines Tages wird Hervé, ganz ohne ersichtlichen Grund, von Aurore (Alice Trémolière), einem der hübschesten Mädchen seiner Klasse, im Bus angesprochen! Hervé weiß kaum wie ihm geschieht, während Camel sich neidisch-staunend die neuen Erfahrungen seines Kumpels berichten lässt. Immerhin entwickelt sich eine Art Beziehung zwischen Hervé und Aurore, die das Pärchen, im Laufe eines Schuljahrs, mit allerhand Widrigkeiten konfrontiert.
Regisseur und Autor Riad Sattouf sagt von seinem Debüt: „Es ist die Geschichte von Hervé und seinen Kumpels, […] ein Film über die geheime Lebenswelt von Jungen, ganz so, wie ich sie mit meinen Freunden erlebt habe. Viele Jungs haben – in ihrer Verwirrung am Ende ihrer Kindheit – Probleme der eigenen Pubertätskrise Ausdruck zu verleihen. Ihre Körper verändern sich – nur nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben … sie fühlen sich sehr unzulänglich in ihrer Welt.“

Und Sattouf zeigt genau das: Zwei ganz gewöhnliche Loser in einem gewöhnlichen Umfeld, mithin aknegepeinigte Gesichter, Frisuren und Klamotten, die hoffnungslos die Unsicherheit zwischen Fremd- und Selbstbestimmung spiegeln und schließlich ein Rumgeknutsche von infantiler Unbeholfenheit. Der Film, konsequent aus der Sicht der Jungen erzählt, bietet wenig Story, dafür aber Variationen des Themas in exemplarischer und zugleich ehrlicher Darbietung.

Mit seinen Laiendarstellern (was die Jugendlichen betrifft) ist Sattouf eine wortwitzige Teenager-Komödie gelungen, die trotz entlarvender Darstellung aller Peinlichkeiten die Probleme dieser Lebensphase ernst nimmt. Für die Nebenrollen wählte der Regisseur einige große französische Schauspielerinnen: Noémie Lvovsky spielt als Hervés Mutter eine Schlüsselrolle, Emmanuelle Devos glänzt als strenge Schuldirektorin, Irène Jacob erscheint als Aurores Mutter und Marjane Satrapi hat einen Kurzauftritt als Verkäuferin in einen Musikgeschäft.

JUNGS BLEIBEN JUNGS ist definitiv anders als viele seiner Genre-Vorgänger (erwähnt seien etwa AMERICAN PIE oder die LA BOUM-Filme). Er ist derber, nicht exploitativ und er vermeidet im Großen und Ganzen Klischees. Vielleicht gelang dem preisgekrönten Film deshalb ein unerwarteter Erfolg in Frankreich mit über 1 Million Kinobesuchern? Es stellt sich in Anbetracht dieser Zahl allerdings die Frage, wer sich, ob der Tatsache, dass die Pubertät irgendwie Mist ist, besser von dieser „Studie“ unterhalten ließ: Erwachsene in der Rückschau oder Betroffene?

Zum Regisseur: Riad Sattouf wurde im Mai 1978 in Paris geboren. Er wächst zunächst in Algerien und Syrien auf, bevor er in die Bretagne zieht. Sattouf macht sich seit 2000 als Autor und Zeichner von Comics einen Namen. Zu seinen erfolgreichen Büchern zählen etwa »No Sex in New York« (2004), »Retour au collège« (2005) und »La Vie secrète des jeunes« (2007).

Kinostart: 01. Juli 2010; Regie: Riad Sattouf; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 90 Minuten; Verleih: Kool Filmdistribution; Link: JungsbleibenJungs.de

Text: Oliver Schumann

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