Familienleben

Väter profitieren von Auszeit nach der Geburt

Väter profitieren von Auszeit nach der Geburt

Die ersten Tage nach der Geburt sind besonders wertvoll. Väter, die nach der Geburt eines Kindes Auszeit von der Arbeit nehmen, leben länger als Väter, die durchgehend arbeiten, besagt eine Studie.

Forscher vom Karolinska Institute kamen im Journal „Social Science and Medicine“ in einer großen Studie zu diesem Schluss. Der Logik der Wissenschaftler zufolge machen Hilfestellungen für Männer, die ihnen ein Zuhausebleiben nach der Geburt eines Kindes ermöglichen, den derzeitigen Rückstand in Sachen Lebenserwartung gegenüber den Frauen wieder wett.

Familienbewußtsien lässt Risiko meiden
Die Forscher um Andreas Lundin und Anna Mansdotter erhoben bei allen 72.569 Männern Schwedens, die in den Jahren 1988 und 1989 Väter wurden, wie lange sie nach der Geburt Urlaub genommen hatten. Das verglichen sie mit Daten zur Mortalität. Bei jenen, die eine mehrmonatige Auszeit genommen hatten, war diese um 25 Prozent geringer als beim Rest. Schweden ist das erste Land, in dem Väter zwei bis 16 Monate bezahlten Urlaub gleich nach der Geburt eines Kindes nehmen können. In den meisten anderen Ländern Europas müssen sie sich mit ein bis zwei Tagen Sonderurlaub begnügen bzw. reguläre Urlaubstage verwenden.

Die Forscher gehen davon aus, dass Männer mit enger Beziehung zur eigenen Familie mehr auf ihre eigene Gesundheit achten und weniger Risiken eingehen. Das hieße etwa, dass sie sich besser ernähren, weniger Alkohol trinken, mehr schlafen oder öfter zum Arzt gehen. Möglich ist auch, dass die gemeinsame Familienzeit den Arbeitsstress und seine Folgeerscheinungen senkt. „Am wahrscheinlichsten ist, dass Männer, die diese Auszeit nehmen, von Natur aus bewusster und gesünder leben“, schätzt die pädagogische Psychologin Franziska Bischof-Jäggi.

Erfahrungen der Mutter teilen
Der Wert dieser Auszeit hängt sehr davon an, wie sie gestaltet wird, so Bischof-Jäggi. Schitouren oder Golfen seien hier kaum sinnvoll, da die zentrale Aufgabe darin liege, der Mutter Hilfe zu leisten und ihr freie Momente zu ermöglichen. „Väter sollten in den ersten Tagen ganz für die Familie da sein, nachts aufstehen, das Kind wickeln und die Erfahrung der Mütter teilen, dass man den ganzen Tag beschäftigt ist ohne etwas weiter zu bringen.“ Das stärkt die Paarbeziehung, zudem muss sich die Mutter damit nicht ständig als Hausfrau und Mutter zugleich beweisen und eigene Bedürfnisse verdrängen.

Ein großer Teil des Beziehungsaufbaus – „Bonding“ genannt – geschieht gleich nach der Geburt. Manche Väter tun sich schwer, hier aktiv zu werden. „Männer bevorzugen meist ältere Kinder, mit denen sie kuscheln, schnitzen, Fußball spielen oder ihnen die Welt erklären. Mit Neugeborenen ist noch wenig wechselseitige Kommunikation möglich.“ Doch auch die Familie definiert sich neu. „Die ersten sechs Wochen sind für alle Ausnahmezustand, weshalb ältere Geschwister meist noch keine Neidreaktionen zeigen. Danach findet man sich in der neuen Rolle wieder und realisiert, dass der Neuankömmling dazugehört“, erklärt Bischof-Jäggi.

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