Familienpolitik

Altersvorsorge überfordert die junge Generation

Altersvorsorge überfordert die junge Generation

Durch mangelhafte Zukunftssicherung droht vielen die Altersarmut. Das Fach ‚Wirtschaft und Finanzen‘ fehlt auf den Stundenplänen.

Die aktuelle Studie des Versorgungswerks MetallRente ‚Jugend, Vorsorge, Finanzen – Herausforderung oder Überforderung?‘ gibt Anlass zur Sorge. Die Mehrzahl der 2.500 Befragten im Alter zwischen 17 und 27 Jahren ist zwar zur Zukunftssicherung bereit, aber mit den Vorsorgeprodukten überfordert. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene mit schlechtem Bildungsnivau steuern demnach auf eine Altersarmut zu.

Vor gut zehn Jahren wurde die große Reform der Alterssicherung durch mehr Eigenbeteiligung in Kraft gesetzt. Aus der Studie geht zwar hervor, dass die junge Generation ihre Lage realistisch einschätzt und sich der Eigenverantwortung bewusst ist, doch Klaus Hurrelmann, Leiter der Studie, erklärt: „Die Jugend nimmt die Herausforderung der privaten Vorsorge mental an, jedoch merkt ein großer Teil ‚Wir werden es nicht packen‘.“

Politik, Schule und Finanzbranche in der Pflicht
Andererseits kann durch die Untersuchung belegt werden, dass die Generation der heute 17- bis 27-Jährigen eine leistungsorientierte Generation ist. Sie wird als extrem mobil und flexibel beschrieben. Erfreulich ist, dass auch Gemeinsinn, Hilfsbereitschaft und gesellschaftliche Verantwortung als wichtig erachtet wurden.

Diese, so bestätigen die Befragungsergebnisse, würden allerdings umgekehrt auch von der Politik erwartet. Die junge Generation sei bereit, eigenes Geld in die Altersvorsorge zu investieren, hoffe aber, dass der Staat auch künftig eine sozial ausgleichende Rolle spielen wird.

Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher des Allfinanzdienstleisters Dr. Klein, äußert sich zu den Ergebnissen. „Die Komplexität der Produkte resultiert unter anderem aus den komplizierten und häufig wechselnden Förderlogiken des Staates. Auch die eigentlich gut gemeinten Verbraucherschutzgesetze für Beratungsprotokoll und dem Produktinformationsblatt führen in der Praxis oft zu mehr Verwirrung als Transparenz.“

Einen weiteren Verwirrungsgrund sieht er im Wettbewerb. „Anbieter versuchen natürlich auch, sich durch unterschiedliche Produkte voneinander abzuheben.“ Hurrelmann sieht zudem die Schulen in der Pflicht. Die Themen Wirtschaft und Finanzen müssten dementsprechend im Klassenzimmer eine viel größere Rolle spielen. Bis heute seien „Schulen faktisch ein wirtschaftsfreier Raum“.

Finanzwirtschaft versucht zu unterstützen
„Das Ergebnis dieser Studie deutet meines Erachtens, neben der Komplexität der Produkte und möglichen Beratungsdefiziten, noch auf einen weiteren Aspekt hin. Die heutige Jugend informiert sich im Internet und bestellt ihre Produkte online. Vorsorgeprodukte sind aber auf Grund ihres Erklärungsbedarfes nicht ideal für den Vertrieb übers Internet“, so Gawarecki.

Die Informationsrecherche im Internet müsse durch eine persönliche Beratung ergänzt werden. „Es ist sinnvoll die Beratung ganzheitlich aufzustellen, so dass alle für das Leben relevanten Bereiche, von der Baufinanzierung über die Geldanlage bis hin zur Altersvorsorge, abgedeckt werden“, erklärt Gawarecki.

Sowohl das Versorgungswerk als auch der Allfinanzdienstleister verstehen die Studie als Auftrag. „De facto erwartet die junge Generation von der Gesellschaft einen Nachhaltigkeitspakt für die Vorsorge, sie möchte Hilfe zur Selbsthilfe. Darin sollten wir als Verantwortliche eine Herausforderung sehen“, so Hurrelmann.

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