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Ein Spiele-Klassiker feiert 50. Geburtstag

03. April 2010 Von: Barbara Leuschner Kategorie: Familienleben

Genial einfach und herrlich gemein. Seit Generationen sorgt das Ravensburger Brettspiel “Malefiz” bei den Spielefans für Aufregung und Nervenkitzel. Am 17. März wurde der Klassiker mit den verflixten weißen Blockadesteinchen 50 Jahre alt.

 

Die Spielidee: den Mitspielern Steine in den Weg legen. Und genau das macht unverschämt viel Spaß. Erwin Glonegger, der Grandseigneur des Brettspiels, war 35 Jahr lang Programmleiter beim Ravensburger Spieleverlag. 1960 hatte er den richtigen Riecher:

“Da hat ein 26jähriger Angestellter einer Essener Großbäckerei geschrieben: ‘Ich habe ein Spiel erfunden, das alles übertrifft, was jemals auf diesem Gebiet gemacht wurde’. Dann hat er das geschickt, es war mit Bleistift auf einen Karton aufgemalt. Das Spiel hieß: Der rote Stopper.”

Bei Erwin Glonegger war der Bäcker an der richtigen Adresse. Ein Mal getestet, erkannte er, wie viel Spannung, Nervenkitzel und Spaß in diesem Brettspiel stecken. Nur mit dem Namen, “Der rote Stopper”, war er nicht ganz glücklich. Die zündende Idee kam von der Familie des damaligen Firmenleiters Karl Maier:

“Wir hatten damals keine Meinungsforschungsinstitute an der Hand. Aber die Familie des Herrn Karl Meier und meine Familie, wir haben die Spiele ausprobiert. Und dann kam Karl Meier am anderen Morgen und sagte: ‘Also, es hat uns prima gefallen, und ich glaube, ich hab auch schon einen Titel. Denn meine Frau, die hat sich immer darüber geärgert, wenn ich ihr so einen Stopper vor die Nase gesetzt habe. Dann hat sie gesagt: Das ist ja mal ein Malefiz-Spiel!”, erinnert sich Erwin Glonegger.

Malefiz ist ein altes Wort, das man heute kaum mehr hört. Ein Malefiz ist jemand, der es mit kleineren Verbrechen, Missetaten oder Verfehlungen nicht so genau nimmt. Das Spiel, bei dem man für eine kurze Zeit mal genau so jemand sein darf, ging seither fünf Millionen Mal über die Ladentheke. Und begeistert heute genauso wie vor 50 Jahren.

O-Töne einer Straßenbefragung:
“Also das ist kein Spiel, das durchgehend immer gleich ist. Dadurch, dass man einfach die Steine versetzen kann und weil man sich gegenseitig rausschmeißen kann.”
“Die Taktik ist natürlich entscheidend bei dem Spiel. Aber es macht auch großen Spaß seine Mitspieler zu ärgern.”
“Du bist fast am Ziel und dann kommt jemand, legt dir so einen Blockadestein in den Weg oder du musst zurück zum Start, da kann man sich schon aufregen.”
“Ein besonderer Reiz ist einfach, dass in dem Spiel noch ein gewisser Ärgerfaktor mit drin ist. Man kann diese Blockiersteinchen immer wieder versetzen, man kann immer wieder aufs Neue schikanieren. Man kann die Mitspieler zur Weißglut bringen.”

Nicht nur der Spielspaß ist heute so groß wie damals. Auch das Bild auf der Schachtel ist immer noch das gleiche: ein finsterer Räuber mit Pistole in der Hand, eine Dame mit viel zu tiefem Dekolleté. Und neben diesen zwielichtigen Gestalten ein entrüstet dreinblickender Großvater nebst züchtig gekleideter Enkeltochter. Ein Bild, das in der damaligen Zeit viele einfach unerhört fanden.

“Das war im Jahre 1960 eine Art Skandal, ein solcher Titel in Deutschland. Denn so etwas konnte doch eine Oma nicht für ihre Enkelkinder kaufen. Diese Spannung, die in diesem Bild drin ist, die spiegelt auch die Spannung dieses Spieles wider. Das passt wunderbar zusammen.”

Und die erste Ausgabe von “Malefiz” war auch sofort ausverkauft. Denn: Die Zeit war reif für ein Spiel, das den braven Rahmen sprengte und artige Mitspieler in fiese Banditen verwandelt. Des einen Freud ist des anderen Leid – heute genauso wie vor 50 Jahren.

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