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Schwimmen mit Menschen: Trauma für Delfine

Schwimmen mit Menschen: Trauma für Delfine

Britische Forscher glauben, dass die menschliche Interaktion mit Delfinen die Tiere in großen Stress versetzt. Nach jüngsten Untersuchungen vor der Küste der ostafrikanischen Insel Sansibar verändert die menschliche Anwesenheit das Verhalten der Delfine total.

Sie kümmern sich weniger um ihren Nachwuchs und kommen auch nicht zur Ruhe, berichten die Forscher im Fachmagazin Endangered Species Research.

Am schlimmsten war der Stress für die Tiere dann, wenn Schwimmer ganz nahe gekommen sind und versucht haben, sie zu berühren. Die Meeresbiologen um Per Berggren von der Newcastle University fordern nun Beschränkungen, um die potenziellen Langzeitfolgen von Delfintouren zu minimieren.

Tourismus lebt von Delfinen
„In unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass immer wenn Touristenboote präsent waren, die Tiere aufgeregt waren und weniger Zeit zum Jagen oder zum Vergesellschaften aufgewendet haben“, so Berggren im pressetext-Interview. „Das hat negative Auswirkungen nicht nur auf individuelle Tiere, sondern auf die gesamte Schule. Auf lange Zeit hin könnte das die Population umbringen“, meint der Forscher.

Seit 1992 werden an der Südküste der Insel Sansibar Delfintouren angeboten. Dieser Industriezweig hat die traditionelle Jagd auf die Meeressäuger total verdrängt. „Das ist sehr erfreulich“, meint Berggren. Allerdings sei die Art und Weise wie dieser Delfintourismus betrieben wird, nicht nachhaltig. Bis zu 30 Boote scharen sich um eine Delfingruppe. „Da die lokale Bevölkerung vom Tourismus lebt – in diesem Fall also von den Delfinen – müssen unbedingt Verhaltensregeln eingehalten werden“, so der Forscher, der sich seit 20 Jahren mit Meeressäugern beschäftigt.

Empfindliche Reaktionen auf Stress
40 Tage lang hat das Forscherteam die Delfine beobachtet. Wenn die Boote mit den Touristen da waren, sank die Ruhezeit der Tiere von 38 auf zehn Prozent des Tages. Ähnlich reagierten die Tiere auch bei der Futtersuche. Hier sank der Zeitaufwand von 19 auf zehn Prozent. Bei Anwesenheit der Boote wurden die Delfine extrem aktiv. Der Zeitaufwand des Herumschwimmens stieg von 33 auf 77 Prozent und wurde zur dominanten Aktivität im Beisein der Boote.

„Der Ersatz der Delfinjagd durch Delfintouren kann als Durchbruch gesehen werden, da dies eine humane und nachhaltige Alternative darstellt“, meint der Forscher. Unglücklicherweise muss der Delfintourismus jedoch ohne Regulierung ebenso in Frage gestellt werden. „In der derzeitigen Situation brauchen die Tiere viel mehr Energie, weil sie mehr schwimmen müssen, um den Touristenbooten zu entkommen, die ihnen nachfahren.“

Aufklärung der Touristen erforderlich
„Eigentlich sollten alle Touristen, die solche Delfin-Exkursionen mitmachen, vorher aufgeklärt werden, damit sie wissen, dass verschiedene Handlungen zu großem Stress bei den Tieren führen“, meint Berggren. Der beste Ansatz wäre, die Tiere frei entscheiden zu lassen, ob sie zu den Menschen kommen wollen oder nicht, anstatt ihnen nachzufahren.

„Sansibar, das zu Tansania gehört, ist eine wundervolle Insel und die Exkursionen sind besonders während Juli und Oktober interessant“, erklärt Berggren. Zu dieser Zeit könne man auch Buckelwale beobachten. „Ich würde jedem Besucher raten, die lokale Gemeinschaft zu unterstützen, aber verantwortungsbewußt zu handeln und Tourveranstalter darum zu bitten gewisse Richtlinien einzuhalten.“ Die Tour-Veranstalter richten sich nämlich daran, was die Gäste sehen wollen, meint Berggren abschließend im pressetext-Gespräch.

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