Familienleben

Nachhilfe kostet deutsche Eltern 1,5 Mrd. pro Jahr

Nachhilfe kostet deutsche Eltern 1,5 Mrd. pro Jahr

Der Gang zum Nachhilfeunterricht ist für viele Schüler nicht mehr Ausnahme, sondern gehört zum Schulunterricht dazu. 1,1 Mio. Schüler nehmen allein in Deutschland regelmäßig private Nachhilfe, wofür ihre Eltern insgesamt jährlich 1,5 Mrd. Euro bezahlen.

Das besagt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. „Diese Häufigkeit zeigt, dass viele Eltern mit dem Schulsystem unzufrieden sind. Problematisch ist dabei, dass dadurch die Schulchancen stark von der Vermögenssituation abhängen“, so Bertelsmann-Sprecherin Antje Funcke.

Schon jeder siebte Zehnjährige geht zur Nachhilfe
Genaue Nachfragezahlen gibt es nicht, da Nachhilfe vor allem in privaten Institutionen durchgeführt wird. Die Forscher kombinierten Ergebnisse aus mehreren Untersuchungen – namentlich die PISA-Studie, die IGLU-Leseerhebung sowie eine weitere Befragung bei Kindern und Jugendlichen – um zu Aussagen zu gelangen. Es zeigte sich, dass bereits jeder siebte Viertklassler Nachhilfe im Fach Deutsch bekommt. Im Europavergleich gehen Schüler in Deutschland deutlich öfter zur Mathe-Nachhilfe als in Österreich, am weitesten verbreitet ist Nachhilfe allerdings in Griechenland, Portugal und Spanien.

Ein Problem sei die hohe Zahl der Nachhilfeschüler vor allem deshalb, da dadurch Benachteiligungen entstehen. „Finanzstarke Eltern können ihrem Kind die Nachhilfe bezahlen, für andere ist das nicht möglich. Wenn das Ziel lautet, schulische Chancengleichheit zu schaffen, so müsste Nachhilfe überflüssig werden“, betont Funke. Möglich sei dies am ehesten, wenn die individuelle Förderung, die die Nachhilfe leistet, in der Schule verstärkt wird. In Ländern, wo dies gelinge, beanspruchen Schüler auch viel weniger Nachhilfe. „Das ist etwa in Kanada im Schuldistrikt Toronto der Fall, wo es ein Schulkonzept für jedes einzelne Kind gibt.“

Problemlöser von Schule und Gesellschaft
Andrea Heiliger vom Verband der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen gibt an, dass Schüler am öftesten wegen Mathematik zur Nachhilfe kommen. „Dahinter liegt Deutsch, das in der Schule immer häufiger Probleme bereitet, während Englisch seltener als früher in Anspruch genommen wird. Der Rest betrifft weitere Fremdsprachen“, so die Verbandssprecherin. Die meiste Nachfrage bestehe ab der siebten Schulstufe. „Das hat einerseits mit der Pubertät, andererseits mit dem steigenden Lerndruck zu tun. Doch zunehmend geht man auch am Ende der Grundschule zur Nachhilfe, um den Sprung in die neue Schule mit einer Empfehlung zu schaffen.“

Es komme nicht von ungefähr, dass Eltern gerade beim Schulwechsel des Kindes auf Hilfe von außen setzen. „Ändert sich die Schulform oder wird die Schule wie etwa jetzt gerade umgestaltet, verunsichert das die Eltern. Zudem gibt es immer weniger Lehrer und die Klassenschülerzahl steigt, wodurch die individuelle Förderung in der Schule schwieriger wird. Diese Lücke kann der Nachhilfeunterricht schließen“, so Heiliger. Daneben deute der Trend zu mehr privater Nachhilfe auch auf ein weiteres Gesellschaftsproblem. „Früher nahmen sich die Eltern Zeit, mit den Kindern Hausaufgaben zu machen oder zu üben. Heute sind sie meist beide berufstätig“, erklärt die Verbandssprecherin.

Nachhilfe ist Eltern wichtiger als alles andere
Statement des Nachhilfeinstituts Studienkreis zur aktuellen Bertelsmann-Studie zum Thema Nachhilfe: „Die aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung bestätigt unsere Erfahrungen aus der Praxis: Eltern ist nichts so wichtig wie die Bildung ihrer Kinder. Daran würden sie als Letztes sparen“, erklärt Bernd Kreissig, Sprecher der Geschäftsführung des Nachhilfeinstituts Studienkreis. „In einer gemeinsam mit Forsa durchgeführten Studie haben wir festgestellt, dass bei finanzstarken Haushalten ebenso wie bei weniger gut gestellten Familien die Nachhilfe an letzter Stelle auf der Streichliste steht – als erstes wird bei Unterhaltungselektronik, Spielzeug und Urlaub gekürzt. Eltern wissen einfach: Gute Noten sind entscheidend für die Zukunft ihrer Kinder.“

„Qualitätsstandard Nachhilfe“ erleichtert Auswahl
Mit den Halbjahreszeugnissen stellte sich für viele Eltern und Schüler aktuell auch die Frage, ob in bestimmten Fächern eine zusätzliche Nachhilfe sinnvoll ist. Immerhin hat ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler bereits einmal professionelle Nachhilfe in Anspruch genommen. Entsprechend breit gefächert ist das Angebot von Nachhilfeunterricht in Deutschland. Doch ganz gleich ob große Nachhilfeinstitute oder lokale Anbieter: Eltern sollten sich bei der Auswahl des geeigneten Unterrichts genau informieren. Wie groß sind die Lerngruppen? Ist das Personal qualifiziert? Finden regelmäßige Elterngespräche statt? Wie sieht die Vertragsgestaltung aus?

Wertvolle Orientierung geben Qualitätssiegel, wie sie die Fachleute von TÜV Rheinland als neutraler Prüfdienstleister vergeben: Bereits 670 Nachhilfeschulen in ganz Deutschland tragen das Siegel nach dem „Qualitätsstandard Nachhilfe“, z.B. Standorte des Studienkreis oder der Interessengemeinschaft freier Lerneinrichtungen. Natalie Engst, Expertin von TÜV Rheinland: „Wir prüfen die Einrichtungen auf ihre Seriosität, Leistungsfähigkeit und Qualität. Diese freiwillige Kontrolle von Nachhilfeinstituten stellt für Eltern und Schüler deshalb eine gute Entscheidungshilfe bei der Auswahl des richtigen Anbieters dar.“

Wichtige Kriterien des „Qualitätsstandards Nachhilfe“ von TÜV Rheinland sind unter anderem kleine Unterrichtsgruppen mit maximal fünf Schülern sowie eine gute technische und räumliche Ausstattung und der Einsatz geeigneter Lernmittel. Auch sollten innerhalb der Gruppen alle Schüler im selben Fach unterrichtet werden. Gute Nachhilfeschulen können die Qualifikation der Lehrkräfte belegen und es findet ein regelmäßiger Austausch mit den Eltern statt. Die Nachhilfeschule sollte den Eltern auch anbieten, den Kontakt zur öffentlichen Schule aufzunehmen. Insgesamt werden von den Kontrolleuren des TÜV Rheinland rund 90 verschiedene Punkte überprüft.

1,4 Millionen Kinder benötigen Mathe-Nachhilfe – nur 600.000 Kinder erhalten sie
600.000 Schülerinnen und Schüler ab Klassenstufe fünf erhalten derzeit Mathe-Nachhilfe. Das sind zwölf Prozent der Schüler. Weitere 16 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind zwar Bedarf an privatem Zusatzunterricht im Fach Mathematik hat, aber zurzeit keinen erhält. Laut Einschätzung der Eltern benötigen demnach fast 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler ab Sekundarstufe I – also 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche – Nachhilfe beim Umgang mit Zahlen, Formeln und Gleichungen. Das ergab die Studie „Rechnen in Deutschland“, die im Auftrag der Stiftung Rechnen und des Online-Lernsystems bettermarks von forsa durchgeführt wurde. Für die Studie wurden im Rahmen einer repräsentativen Stichprobe 1.370 Schüler aller Schulformen ab Klassenstufe fünf, 1.057 Personen zwischen 18 und 65 Jahren und 1.029 Eltern mit schulpflichtigen Kindern bundesweit befragt.

Nachhilfe sprengt das Budget
Zwei Drittel der Eltern, deren Kinder Probleme in Mathe haben, geben an, aufgrund der hohen Kosten auf Nachhilfe zu verzichten. Kinder aus Familien mit einem Haushaltsnettoeinkommen von 3.000 Euro und mehr erhalten doppelt so häufig Nachhilfe im Fach Mathematik wie Kinder aus Familien mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1.500 Euro.

Zwischen 50 und 100 Euro im Monat sind die Regel
Am häufigsten nehmen Schülerinnen und Schüler Nachhilfe im Fach Mathematik bei privaten Förderinstituten (25 Prozent), Studenten (22 Prozent) und Schülern (17 Prozent). 28 Prozent der Eltern, die in der Lage sind, ihrem Kind Nachhilfe in Mathe zu ermöglichen, zahlen bis zu 50 Euro monatlich für das ergänzende Lernangebot. 33 Prozent bezahlen sogar zwischen 50 und 100 Euro im Monat.

„Wenn wir die Chancengleichheit in Deutschland langfristig sichern wollen, müssen wir stärker als bisher über innovative und kostengünstige Lern- und Lehrmethoden nachdenken“, sagt Arndt Kwiatkowski, der als Gründer von bettermarks, einem Online-Lernsystem für Mathematik, genau dort ansetzt.

Bettermarks ist für den Einsatz im Unterricht und die Hausaufgabenbearbeitung kostenlos verfügbar. Das internetbasierte System verknüpft den Schulunterricht mit dem Lernen am Nachmittag zu einer genau aufeinander abgestimmten Lehr- und Lerneinheit. Es ermöglicht Schülern das eigenständige Arbeiten und bietet Lehrern zahlreiche Funktionen zur individuellen Problemanalyse und zur sehr zielgerichteten Förderung jedes Schülers. Dabei richtet sich das Angebot nicht nur an Schülerinnen und Schüler, die Unterrichtsstoff nachzuholen haben. Auch leistungsstärkere Schüler profitieren, da sie ihre Möglichkeiten besser ausschöpfen können. Mithilfe von Online-Lernsystemen können sie ihr Wissen über den Unterricht hinaus vertiefen. „Eine gute mathematische Ausbildung ist essenziell – für die beruflichen und privaten Perspektiven der einzelnen Schüler und für viele innovationsgetriebene Unternehmen, die qualifizierten Nachwuchs in den MINT-Berufen brauchen. Forderungen nach Lehr- und Lernmitteln, die eine bessere Individualförderung der Schüler in der Breite ermöglichen, werden deshalb immer lauter“, kommentiert Kwiatkowski.

Über Bettermarks
Bettermarks ist ein Online-Lernsystem für Mathematik. Es führt Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen und Leistungsniveaus zu besseren Kenntnissen und Schulnoten. Das System erkennt die individuellen Stärken und Schwächen jedes Schülers. Auf dieser Basis stellt es für jeden Einzelnen die genau passenden Arbeitspakete zusammen. Bettermarks bietet bei jedem Arbeitsschritt konkrete Hilfestellung und macht damit das Mathelernen einfacher. Das System umfasst die gesamte Schulmathematik für alle Bundesländer und Schultypen. Die bettermarks GmbH ist in Berlin ansässig und wurde 2008 von Arndt Kwiatkowski, Marianne Voigt und Christophe Spéroni gegründet. Das 60-köpfige interdisziplinäre Team vereint mathematische und pädagogische Kompetenz mit Interneterfahrung. Ab September 2009 wurde bettermarks in einer mehrmonatigen Pilotphase an 34 Schulen erprobt.

Über die Stiftung Rechnen
Stiftung Rechnen ist im Oktober 2009 als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Hamburg gegründet worden. Gründungsstifter sind die comdirect bank AG und die Boerse Stuttgart AG. Die gemeinnützige Stiftung ist fördernd wie auch operativ tätig. Ihr Anliegen ist die Verbesserung der Rechenkompetenz der Menschen und die Freude am Rechnen. Daher werden Bildung, Wissenschaft und Forschung auf den Gebieten von Rechnen und Mathematik gefördert. Stiftung Rechnen versteht sich als Plattform eines gebündelten und gemeinsamen Bildungsengagements von Unternehmen und Organisationen. Unterstützung ist willkommen.

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