Schule

In deutschen Klassenzimmern herrscht dicke Luft

In deutschen Klassenzimmern herrscht dicke Luft

„Zwei Minuten Frischluft senken Lärmpegel enorm“, fordern Bremer Schulforscher.

Die Erkenntnis, dass Schüler zum Lernen frische Luft brauchen, erscheint banal. Doch genau diese Weisheit – so alt wie die Schule selbst – konnten Forscher der Universität Bremen nun mit moderner Technik untermauern. In einer Studie haben sie über 48 Schultage lang in 16 Schulklassen die Entwicklung der Kohlenstoffdioxid-Konzentration aufgezeichnet und dabei auch Lärmpegel, Herzfrequenz, Störungen der Schüler und Disziplinierungen durch die Lehrer erfasst.

„Allein durch die Atemluft steigt der Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft innerhalb einer Unterrichtsstunde auf über 1.500 ppm an, die durch die DIN 1496 gerade noch toleriert werden“, erklärt Gerhart Tiesler vom Bremer Institut für Interdisziplinäre Schulforschung im Gespräch mit pressetext. Schon ab einer Konzentration von 1.000 ppm können erste Befindlichkeitsstörungen wie Müdigkeit, Kopfschmerz und Unaufmerksamkeit auftreten. „Zum Vergleich, die Außenluft hat nur einen Anteil von 400 ppm. In manchen Schulen, vor allem aber nach Unterrichtseinheiten von 90 Minuten, haben wir auch schon Werte von 2.700 ppm feststellen müssen“, mahnt Tiesler, der zusammen mit dem Schulforscher Hans-Georg Schönwälder die Studie umsetzte.

Bereits vor einigen Jahren hatten die Bremer ein Forschungsprojekt zu Lärm in Schulen durchgeführt. „Unsere einzige Erklärung für den über den Tag stetig wachsenden Lärmpegel war die zunehmende Unruhe der Schüler durch Ermüdungsprozesse“, erläutert Tiesler den Anlass zur aktuellen Untersuchung. Mittels kontinuierlicher Vorher-Nachher-Messungen in zwei Grundschulen und einem Sek1-Zentrum in Bremen und Niedersachsen haben die Wissenschaftler nun höhere Ermüdungswerte und niedrigere Aufmerksamkeitsleistungen als Folge hoher Kohlenstoffdioxidkonzentrationen nachweisen können. Über die Messung der Herzfrequenz und Aufmerksamkeitstests wurden zudem die Belastung für die Schüler, sowie der erzielte Lerneffekt in den Unterrichtsstunden überprüft.

„Die Lösung des Problems ist aber ganz einfach. Nach zwanzig Minuten Unterricht wurde zwei Minuten lang stoßgelüftet. Die Befindlichkeits- und Wahrnehmungsstörungen der Schüler waren danach deutlich geringer.“ Auch der Schallpegel, die Störungen durch Schüler und Sanktionierungen der Lehrer hätten bei Frischluftzufuhr abgenommen. „Der Unterricht lief letztendlich für alle besser – ohne dass jemand darauf direkt Einfluss genommen hatte“, meint Tiesler. Zwar habe es in den einzelnen Klassen geringe Unterschiede bei der Leistungssteigerung gegeben, generell habe man aber überall den gleichen Trend erkennen können.

Ohne Frischluftzufuhr, so die Bremer Wissenschaftler, seien rund 15 Minuten einer normalen Unterrichtsstunde „für die Katz“, da sich die Schüler nicht mehr richtig konzentrieren könnten. „Eine Lüftungspause von zwei Minuten zur Stundenhalbzeit dürfte da weniger störend sein“, gibt Tiesler zu bedenken. Die Erkenntnisse der Studie „Gesundheitsfördernde Einflüsse auf das Leistungsvermögen im schulischen Unterricht“ sollen demnächst in Broschürenform an Schulen ausgegeben werden. „Wir wollen die Kenntnis weiter streuen. Unsere Annahmen waren ja nicht ganz neu, es hat sich nur bisher kaum jemand daran gehalten. Deshalb haben wir mit modernen Methoden einen Nachweis erbracht“, sagt Tiesler abschließend.

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