Familienleben

Mehr Mut zum „Nein“!

Mehr Mut zum „Nein“!

Warum eine verunsicherte Elterngeneration das Neinsagen wieder lernen muss

Nie zuvor haben sich Eltern so viele Gedanken über die richtige Erziehung ihrer Kinder gemacht. Wie sie aber nach den nicht mehr akzeptierten autoritären und antiautoritären Mustern der Vergangenheit heute im Alltag handeln sollten, macht die meisten ratlos. „Seit Beginn der 90er Jahre sagen Eltern sicherheitshalber immer Ja“, so der dänische Erziehungswissenschaftler Jesper Juul. Nur das Zögern, resigniertes Schulterzucken und ein widerwilliger Klang in der Stimme der Eltern signalisiert den Kindern, dass Mutter oder Vater viel lieber Nein sagen würden. Juul ist überzeugt, dass Kinder ein authentisches, ehrlich gemeintes Nein akzeptieren – auch wenn nicht selten die erste Reaktion Protest ist.

Erziehung darf nicht mit ständiger Belehrung verwechselt werden. Viel wichtiger ist das Vorbild der Eltern: Wie reden die Menschen in der Familie miteinander? Wie sehr sind sie in der Lage, sich gegenseitig zuzuhören? Wie verhalten Eltern sich außerhalb der Familie? Wer freundlich den Nachbarn grüßt und ordentlich Messer und Gabel benutzt, kann sich sicher sein, dass Kinder sich solche Fertigkeiten von selbst aneignen. Dauernde Ermahnungen, bis der Nachwuchs keine Lust mehr hat zuzuhören, sind dann überflüssig. Jesper Juul spitzt die Folgerung daraus gern zu: „Im Grunde hat Erziehung überhaupt keinen Zweck.“ Vielmehr  sit ein klarer Standpunkt gefragt, zu dem auch das unmissverständliche Nein gehört.

Etwas wissenschaftlicher drückt es Dr. Christiane Kaniak-Urban, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin aus Rosenheim, aus: „Erziehung ist Beziehung.“ Kinder müssen sich angenommen fühlen und brauchen Vorbilder. Wenn Eltern das gelingt, dann könnten sie sich sogar jede Menge Fehler erlauben, die dem Kind und der Beziehung zu den Eltern nicht schaden. Der praktische Juul nennt sogar eine Zahl: „Zwanzig Fehler am Tag zu machen ist total in Ordnung“, beruhigt er die Eltern. Wenn die Beziehung stimmt, wenn das Verhältnis von Liebe und Respekt geprägt ist, kann im Grunde nichts schief gehen. „Die Natur“, schreibt der renommierte Schweizer Pädiater Professor Dr. Remo Largo, „rechnet nicht mit perfekten Eltern.“

Quelle: Apothekenmagazin „Baby und Familie“

Klicken Sie, um einen Kommentar hinzuzufügen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Familienleben

Mehr in Familienleben

girl-1863906_1280

Gartengestaltung für die ganze Familie

Hans Wankl15. Oktober 2018
kids-2835431_1280

Einschulung – Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Hans Wankl7. Oktober 2018
camera-1840

Die Dokumentation der Familienerlebnisse ist immer lohnenswert

Hans Wankl4. Juli 2018
rose-2335203_1280

Mit Kindern über den Tod reden: Wie ist es am leichtesten?

Hans Wankl25. Juni 2018

Spielzeug aus Holz: der Klassiker im Kinderzimmer

Hans Wankl23. Mai 2018
young-791849_1280

Arbeiten von zu Hause aus: Homeoffice, Familie und Beruf

Hans Wankl10. März 2018

Der Schultasche die nötige Aufmerksamkeit widmen

Hans Wankl28. Oktober 2017

Die Familienküche – ein Ort, an dem die Generationen zusammenkommen

Hans Wankl20. August 2017

Tipps für eine ruhige Nacht im Kinderzimmer

Hans Wankl30. Juli 2017

Warum eine Kinder-Unfallversicherung so wichtig ist

Hans Wankl23. Juli 2017