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Internet übernimmt Kindererziehung

Internet übernimmt Kindererziehung

Das Internet löst nach und nach das Fernsehen als viel beklagten „Babysitter“ ab. Wie aktuelle Erhebungen des britischen Institute for Public Policy Research (IPPR) zeigen, verbringen Kinder und Jugendliche im Schnitt mehr als 20 Stunden pro Woche online.


Die meiste Zeit entfällt dabei auf Networking-Seiten wie MySpace und Facebook. Die Kontrolle der Eltern fällt meist sehr begrenzt aus und die meisten Erziehungsberechtigten überlassen ihren Nachwuchs bei der Internetnutzung ganz sich selbst. Die Experten fordern daher verbesserte Jugendschutzbestimmungen und wollen auch Regulierungsbehörden wie die britische Ofcom in die Pflicht nehmen.

Zwar gibt es in der Regel in den Schulen nur limitierten Internetzugang und die meisten Plattformen haben Mindestaltersbeschränkungen. Allerdings wissen die Jugendlichen beides zu umgehen und ein verantwortlicher Umgang mit dem Netz kann nur seitens Eltern und Lehrer vermittelt werden. Allzu oft geben Kinder in solchen Netzwerken zu viel von ihren persönlichen Daten preis. Die Konfrontation mit Internetpornografie und Gewalt, Datenmissbrauch oder Cyber-Mobbing, das besonders unter Jugendlichen stattfindet, sind Gefahren, über die junge Nutzer häufig zu wenig aufgeklärt sind. „Besonders in Communitys, die sich auf das schulische Umfeld beziehen, erreicht das Phänomen Cyber-Bullying inzwischen problematische Ausmaße“, bestätigt auch Thomas Günter, Justiziar der Initiative jugendschutz.net. Und gerade in diesem Gefahrenbereich funktioniere das Prinzip der Selbstkontrolle der Plattformen nur unzureichend.

Laut dem IPPR-Bericht haben vier von fünf Kindern zwischen fünf und 15 Jahren zuhause Zugang zum Internet. 40 Prozent der Acht- bis Elfjährigen sagen, sie surfen alleine und ohne Aufsicht durch das Web, bei den Zwölf- bis 15-Jährigen liegt der Anteil bei 71 Prozent. Insgesamt sagten 57 Prozent der befragten Kinder, sie hätten bereits Kontakt mit irgendeiner Form von Pornografie im Internet gehabt. Nicht zuletzt deshalb fordern die Experten mehr Aktivität seitens der Regulierungsbehörden bzw. der Regierung. Außerdem sollen Social Networks industrieübergreifende Richtlinien aufstellen und sich der Internet Watch Foundation – einer britischen Organisation zur Bekämpfung von Internetpornografie – anschließen, so das IPPR.

„Das Internet bietet großartige Möglichkeiten für junge Menschen, aber Eltern müssen darüber informiert sein, was ihre Kinder sich anschauen“, sagt Kay Withers, Autor des IPPR-Berichts. Die Regierung ihrerseits müsse medienpädagogische Programme für Jugendliche fördern und sicherstellen, dass die Eltern in der Lage sind, ihre Kinder auch bei der richtigen Internetnutzung zu unterstützen. Ähnliches gilt auch für Deutschland, wo Jugendschutzbeauftragte ebenfalls darauf verweisen, dass im Bereich Medienkompetenz noch viel getan werden muss.

Quelle: pressetext

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