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DIE WELLE im Kino

DIE WELLE im Kino

Morton Rhues Roman „Die Welle“, seit über 20 Jahren ein Jugendbuch- und Schullektürenklassiker, hat Generationen von Jugendlichen geprägt. In unzähligen Unterrichtsstunden ging es immer wieder um die Frage: Ist Faschismus heute, in unserer so aufgeklärten Zeit, wieder möglich? Wie entsteht Faschismus? Und vor allem: Welche Rolle hätte ich in diesem Experiment eingenommen?
Ganz bewusst setzt der am 13. März 2008 anlaufende Kinofilm das Experiment, das der Geschichtslehrer Ron Jones 1967 an der Cubberley Highschool im kalifornischen Palo Alto unternahm, nach Deutschland, in eine ganz gewöhnliche Kleinstadt, in ein völlig normales Gymnasium.

Für die Projektwoche zum Thema „Staatsformen“ hat sich Gymnasiallehrer Rainer (Jürgen Vogel) auf das Projekt „Anarchie“ gefreut, ist er doch als ehemaliger Hausbesetzer und Linker geradezu dafür prädestiniert. Nun ist er sauer, denn ihm wurde das Projekt „Autokratie“ zugeteilt. Da Rainer aber sehr beliebt ist, melden sich erstaunlich viele Schüler der Oberstufe für das Projekt.
Am ersten Tag fallen bei Annäherung ans Thema schnell die Stichworte Diktatur und Faschismus – das Thema Nazi-Deutschland nervt die Schüler. Es fällt der Satz: „So was wäre doch heutzutage gar nicht mehr möglich!“ Spontan beschließt Rainer, ein Experiment in der Klasse durchzuführen. Er wird zur Leitfigur gewählt und führt neue Regeln ein: Er wird mit „Herr Wenger“ angesprochen, die Schüler haben aufrecht zu sitzen und müssen aufstehen, wenn sie etwas sagen. Das wird zunächst belächelt, zeigt aber schnell, dass „Macht durch Disziplin“ Konzentration im Klassenraum schafft. Wer sich weigert mitzumachen, wird rausgeschmissen. Die Losung „Macht durch Gemeinschaft“ beinhaltet, dass Schüler mit schlechten Noten neben gute Schüler gesetzt werden. Der Vorschlag, ein weißes Hemd als Uniform einzuführen, wird begeistert aufgenommen. Am nächsten Tag erscheint nur Karo (Jennifer Ulrich) nicht in „Uniform“. Die ansonsten den Ton angebende Schülerin fühlt sich ausgegrenzt, wird sogar bei der Namensgebung der Bewegung übergangen. DIE WELLE bekommt Logo, Website, einen Blog bei My Space und ein Handzeichen, den WELLE-Gruß – Rainer nennt das „Macht durch Handeln“. Doch langsam entgleitet ihm die Kontrolle, denn bereits am dritten Tag werden Andersdenkende ausgeschlossen und drangsaliert. Der frühere Außenseiter Tim (Frederick Lau) bietet sich Rainer sogar als Leibwache an. Als Karo „Stoppt die WELLE!“-Flyer verteilt, eskaliert die Situation, und der Lehrer beschließt, das Experiment abzubrechen. Aber – steht das noch in seiner Macht?

Der Film von Regisseur Dennis Gansel und Produzent Christian Becker zeigt in erschreckend realitätsnaher Kulisse und mit großartigen Jungdarstellern neben einem sehr glaubhaften Jürgen Vogel, dass es zu jeder Zeit möglich ist, Menschen für bestimmte Zwecke zu manipulieren – vor allem, wenn ihnen Ziele und Leitfiguren fehlen. Als Filmvorlage diente ein Experiment des Lehrers Ron Jones an einer High School in Kalifornien aus dem Jahre 1967. Das Buch „Die Welle“ von Morton Rhue ist bei Ravensburger als TB erschienen. Doch der Film, der es unter die 16 beim Sundance Festival Gezeigten geschafft hat, nimmt am Ende – anders als beim Experiment – eine dramatische Wendung und führt uns vor, was eine solche Bewegung bei Menschen bewirken kann, die sich dort geborgen und akzeptiert fühlen. Ein Thema für den Geschichts- und Deutschunterricht, das trotz nachhaltiger Erfahrungen des Einzelnen nicht zur Nachahmung zu empfehlen ist. Denn: Wir alle sind verführbar!

Kinostart: 13. März; Regie: Dennis Gansel; FSK: ab 12 Jahren; Länge: 107 Minuten; Verleih: Constantin Film; Link: die welle  

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  1. Pingback: absolut familie » “Ich war das Opfer meines eigenen Experiments!”

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