Familienleben

Weiterhin sinkende Geburtenzahlen

Weiterhin sinkende Geburtenzahlen

Die jüngsten Zahlen zu den Geburten in Deutschland zeigen vor allem eins: Nach Einführung des Elterngeldes und der geplanten Verbesserung der Kleinkinderbetreuung werden sich die Familienpolitiker nicht auf dem Erreichten ausruhen können.

Im vergangenen Jahr kamen bundesweit rund 672.700 Mädchen und Jungen zur Welt, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Dies waren 13.100 weniger als im Jahr zuvor. Im Durchschnitt bekommt damit jede Frau in Deutschland 1,33 Kinder. 2005 waren es durchschnittlich noch 1,34 Kinder pro Frau, 2004 noch 1,36 Kinder. Im Jahr 1990 waren je Frau noch durchschnittlich 1,45 Kinder geboren worden. Im Vergleich zu anderen Industrieländern liegt die Bundesrepublik damit deutlich zurück (Welt Online).

Die Deutschen dazu zu bewegen, wieder mehr Kinder zu bekommen, wird eine ausgesprochen schwierige Aufgabe, die mit zwei, drei neuen Gesetzen nicht getan sein dürfte. Seit Jahren schon sind die Kindergenerationen um rund ein Drittel kleiner als die ihrer Eltern. In den sozialen Sicherungssystemen sind die negativen Folgen dieser Entwicklung bereits zu spüren. In anderen Bereichen von Gesellschaft und Wirtschaft wird es wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis Kinder für ihre Eltern, beziehungsweise für deren Reproduktionsverhalten, haften müssen.

Fast alle Industrienationen sind mit dem Phänomen der sinkenden Kinderzahlen konfrontiert. Doch ein Teil des Problems in Deutschland, das zu den am schnellsten vergreisenden Ländern der Erde gehört, ist hausgemacht. Nach der Perversion der Bevölkerungspolitik in der NS-Zeit samt deren einseitig ideologisiertem Mütter- und Familienbild taten sich deutsche Nachkriegspolitiker viel zu lange viel zu schwer, in diesem Bereich aktiv zu werden. Familienpolitik, die es sich offen zum Ziel setzt, dass wieder mehr Kinder geboren werden, hat ihren Hautgout noch nicht lange verloren. Folglich ist der Nachholbedarf enorm.

Vor allem das deutsche Steuerrecht gehört endlich zugunsten von Familien mit Kindern umgestaltet, um unerwünschte finanzielle Umverteilungsprozesse in der Gesellschaft zu stoppen. Alle neuen Gesetze müssen auf den Familien-TÜV, um zu verhindern, dass
Benachteiligungen entstehen. Kinder sind wunderbar, das Beste im Leben ihrer Eltern, doch wenn mit ihnen in Deutschland weiterhin ein hohes Armutsrisiko verbunden bleibt, werden sich viele junge Menschen auch weiterhin gegen Kinder entscheiden. Nicht ohne Grund sind die großen Familien mit drei oder mehr Kindern fast völlig aus unserer Gesellschaft verschwunden. Wenn der Staat hier die Weichen konsequent richtig stellt, kann er darauf hoffen, dass allmählich auch andere Bereiche wie die Arbeitswelt kinderfreundlicher werden.

Quelle: Wiesbadener Kurier

Kommentare anzeigen (4)

4 Comments

  1. Björn

    24. September 2007 in 20:44

    Bereits seit langem versucehn wir nachzuvollziehen woher ein Geburtenrückgang kommen soll. Bei uns in der Vrwandschaft / Beaknntschaft kann ich eher gegenteiliges feststellen. Fast jeder ist schwanger oder hat gerade ein Kind bekommen. Ist ein wirklicher Trend wie es scheint!

  2. Hanna

    12. März 2008 in 19:03

    Ich denke das Hauptproblem sind immer noch die familienunfreundlichen Unternehmen. Die müssten stärker in die Pflicht genommen werden und vor allem ihre Einstellung ändern: Mehr Teilzeitstellen, auch für Einsteigerinnen, firmeneigene Kinderbetreuung und die Wahrnehmung, dass Frauen eine Bereicherung für die Wirtschaft darstellen könnten da schon viel bewirken!
    Ich habe mich mal auf einer Jobmesse für Akademiker umgehört ob man sich gleich zum Einstieg auf eine Teilzeitstelle bewerben könnte, da habe ich bei den meisten Firmen leider nur mitleidige Blicke geerntet! (Z.B. von einer Mitarbeiterin von IBM, die mir kurz zuvor noch einen Vortrag über die Familienfreundlichkeit in ihrem Unternehmen gehalten hat)

  3. Katja

    9. April 2008 in 20:53

    Auf meiner Arbeitsstelle wurde eine Frau die Ingenieurin war nach dem Erziehungsurlaub in die Kantine zum Brötchen schmieren geschickt worden. Erst kürzlich hat ein Mitarbeiter des Controllings seine 2 Vätermonate beantragt und hat jetzt die Kündigung erhalten. Es wurde gesucht….angeblich war er 8 Stunden im Internet (das ist man auch wenn man etwas minimiert weil was anderes gerade Vorrang hat.
    Ich selbst möchte nur ein 2. Kind wenn es mir möglich wäre einen qualifizierten Teilzeitjob zu finden.Nur wird mein Lebensgefährte nicht gut genug bezahlt. Wir arbeiten beide Vollzeit.

  4. Markus

    21. Dezember 2010 in 14:26

    Einen Nebenjob zum Hauptjob ist ein feine Sache allerdings darf nicht vergessen werden dass dies zu einer Doppelbelastung führt und leider die Arbeitsentgelt meist zu Wünschen überig läst.

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