Kinder vor der Glotze: Schau dich schlau?
Macht Fernsehen unsere Kinder nun dumm, dick und gewalttätig, wie viele Experten nicht müde werden zu betonen, oder kann man der Flimmerkiste auch positive Effekte abgewinnen? Man kann. Eine Studie der amerikanischen Vanderbilt-University kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass bereits Kleinkinder durchs Fernsehen lernen können – unter bestimmten Voraussetzungen.
Psychologen der Vanderbilt-University untersuchten das Verhalten von zwei Gruppen mit Kleinkindern (24 Monate), die per Video instruiert wurden, eine im Nebenzimmer versteckte Puppe zu finden. Eine Gruppe bekam Anweisungen von einem Moderator, der ähnlich auftrat wie der Moderator der Vorschulsendung “Blau und Schlau” (in Deutschland auf Nick zu sehen). Die Kinder konnten zwar vor dem Schirm darauf mit Rufen, Worten, Gesten reagieren, ein Austausch fand aber nicht statt: die normale einseitige TV-Kommunikation. Bei der zweiten Gruppe sahen die Kinder die Anweisungen ebenfalls auf Video, konnten aber über die Kamera mit dem Moderator “interagieren”.
Ergebnis: 69 Prozent der zweiten Gruppe hatten Erfolg beim Pupensuchen – eine ähnliche Erfolgsquote, wie sie bei direktem Kind/Erwachsenen-Gespräch zu erwarten gewesen wäre. Von der ersten Gruppe fanden nur 35 Prozent der Kinder die Puppe in der vorgegebenen Zeit. Das für Kinderprogrammmacher und für Fernsehen-als-Babysitter-nutzende- Eltern interessantere Ergebnis: Diejenigen Kinder der ersten Gruppe, die auf das Programm lautstark und emotional reagierten, stellten genau die erfolgreiche Minderheit, welche das Spielzeug entdeckte.
Daraus zogen die Forscher den Schluss: “Wir haben herausgefunden, dass Kinder beweisen, dass sie das Video als sozialen Partner behandeln können; sie nutzen solche Informationen.” Wobei die direkte Kommunikation mit dem Kind immer noch das Beste sei, wie die Psychologen betonen. Allerdings scheint die Untersuchung nahezulegen, dass Sendungen nach der Machart von “Blau und Schlau” die Kinder nicht zwangsläufig zu glotzenden Zombies machen.
Quelle: Telepolis