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Dicke Kinder, fette Quote

Dicke Kinder, fette Quote

Das Fernsehen entdeckt die Familie – oder das, was es dafür hält. RTL II hat der Familie sogar einen ganzen Tag gewidmet. Der Montag ist der „Tag der Familie“. In „Du bist was du isst“ krempelt eine Ernährungsberaterin das Leben verfetteter Kandidaten um, in „Suche Familie“ wird Familienzusammenführung der besonderen Art betrieben. Enkellose Omas und Opas werden an großelternlose Familien vermittelt zwecks Aufmunterung vereinsamter Senioren. Beide Formate laufen erfolgreich: „Du bist was du isst“ erreicht fast 10 Prozent Marktanteil bei den 14-49-Jährigen, „Suche Familie“ sogar 12,5 Prozent.

Demnächst erhöht RTL II den Einsatz in Sachen Familie. Ab 28. August (21.15 Uhr) gibts dicke Kinder satt – in „Liebling, wir bringen die Kinder um!“ will RTL II „schonungslos“ zeigen, wie falsche Ernährung und ungesunde Lebensweise Kindern dauerhaft Schaden zufügen kann. Die Kalorien-Schock-Show soll Deutschlands junge Couch Potatoes aufrütteln – runter mit den Pfunden, sonst futtert ihr euch frühzeitig ins Grab.

Die wenig appetitlichen Konsequenzen aus Fast Food und Faulheit werden Kandidaten und Zuschauern mit einem drastischen Trick vorgeführt, auf den die Macher besonders stolz sind. Mittels Computer-Morphing wird die Entwicklung der dicken Kinder zu kranken erwachsenen Schmierbäuchen simuliert. Motto: nach den Fritten kommt der Friedhof. Anschließend begeben sich die von der Verfettung bedrohten Familien in die TV-Behandlung der Expertin Alexa Iwan. Die „Super Nanny“ der Ernährungswissenschaft verpasst Eltern und Kindern ein Korsett von Essverhaltens-Regeln, das die Pfunde purzeln lassen und Leben retten soll.

Ein ernstes Thema: Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zu dick, ein Teil dieser Schwergewichte (um die gehts in der Sendung) bereits krankhaft übergewichtig. Experten machen auch den jugendlichen Medienkonsum dafür verantwortlich. Fernsehen macht dick, behauptet etwa der Hirnforscher Manfred Spitzer. Wer dauerhaft vor der Glotze hockt, bekommt eben sein Fett nicht weg. Um möglichen Schäden bei Kind und Teenager vorzubeugen, empfehle ich, am Montag, dem „Tag der Familie“ bei RTL II, den Fernseher einfach mal aus zu lassen.

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