“Familie ist da, wo Kinder sind” – oder auch nicht

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Horst Köhler gab die Richtung vor: “Familie ist da, wo Kinder sind”, befand das Staatsoberhaupt in einer Rede zu Anfang des Jahres. Dieser Familienbegriff ist mittlerweile nicht nur bei vielen Konservativen in Mode, auch das Statistische Bundesamt machte ihn sich zu eigen. So kommt es, dass bei der aktuellen “Kleinen Volkszählung”, dem Mikrozensus 2005, die Zahl der Familien gestiegen ist.

2005 gab es 12,6 Millionen Familien in Deutschland – die höchste Zahl seit 1996. Ein statistischer Effekt, denn zu den Familien zählen jetzt erstmals alle Eltern-Kind-Gemeinschaften: Ehepaare, nichteheliche Lebensgemeinschaften jeder Coleur, sowie allein erziehende Mütter und Väter mit Kindern im Haushalt.

Ein genauer Blick auf die Zahlen enthüllt, dass es mit den Kindern so eine Sache ist – die leben nämlich zumeist in den traditionellen Familien, ihre Zahl nimmt in den alternativen Familienformen ab. Und die Zahl der alternativen Familienformen, eben der Lebensgemeinschaften, “wo Kinder sind”, nimmt zu. Es scheint also einen Zusammenhang zwischen der Form der Familie und der Zahl Kinder pro Familie zu geben.

2005 gab es in Deutschland 6,7 Mio. Ehepaare mit mindestens einem Kind unter 18. Die meisten davon (47 Prozent) zogen zwei Kinder auf, 35 Prozent der Ehepaare hatten nur ein Kind. Bei den alternativen Familienformen sehen die Zahlen anders aus – weniger kinderreich nämlich: Diese Lebensgemeinschaften haben mehrheitlich nur ein Kind im Haushalt. Alleinerziehende erziehen zu 58 Prozent ein Kind und nur zu 32 Prozent zwei Kinder. Bei den anderen Lebensgemeinschaften geht die Schere zwischen Ein- und Zwei-Kind-Haushalten mit 63 zu 29 Prozent noch weiter auseinander.

Lässt das den Schluss zu, dass, wer mehr Kinder im Land will, die traditionelle Familie und nicht die alternativen Formen fördern muss? Ausgerechnet, wo sich, endlich, auch viele konservative Familienpolitiker vom traditionellen Familienbegriff verabschiedet haben (mit dem Hintergedanken, die Geburtenrate anzukurbeln), zeigt sich, dass Kinder eben möglicherweise doch nicht überall da sind, wo das Etikett Familie draufgepappt wird. Das sieht nach einem klassischen Zielkonflikt aus zwischen dem Bemühen um mehr Kinder und der Modernisierung des Familienbegriffs. Beides zur gleichen Zeit ist schwer zu haben. 

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Über Thomas Meins

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