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Kinder und Medien – Gefahr oder Chance?

25. Mai 2006 Von: Thomas Meins Kategorie: MedienFamilie

Kinder und Medien – das Thema ist ein echter Dauerbrenner, seit Jahren, in der öffentlichen Diskussion und im heimischen Familienleben. Wie lange dürfen die Kinder am Computer hocken, vor der Glotze hängen oder mit der Konsole daddeln? Was dürfen sie sehen oder spielen? Nützt es etwas, Regeln für den Umgang mit den Medien aufzustellen? Und wie kann man sie einhalten?

Ich habe darauf keine endgültigen Antworten (nur ein gewisses Unbehagen), die Fachleute aus den Bereichen Medienforschung, Pädagogik, Spieleentwicklung usw. allerdings auch nicht. Gerade haben sich auf dem Medienforum in Köln die Experten die Köpfe über das Thema “Internetfähige mobile Spielkonsolen in Kinderhand” heiß geredet, darunter der Medienpädagoge Stefan Aufenanger von der Uni Mainz. Sein vorläufiges Fazit zum Verhältnis zwischen Familie und Medien lautet:

* Eltern kennen kaum die Computerspiele der
Kinder
* Eltern haben kaum Bewusstsein für
Gefahren des Internets für Kinder
* Technische Kompetenzen der Kinder sind nicht
besonders ausgeprägt

Aufenangers Forderung aus dieser Erkenntnis lautet: Medienpädagogen, Jugendschützer und Software-Anbieter sollen gemeinsam Überlegungen anstellen, wie die Kinder vor den drohenden Gefahren gerade internetfähiger Medien geschützt werden können und wie Eltern für dieses Thema erwärmt werden können. Das ist eine Haltung zum Thema Kinder und Medien – Medien sind per se gefährlich, also müssen wir unsere Kinder schützen.

Im games blog habe ich heute eine andere Haltung dazu gefunden. Oliver Scholz weist in seinem Beitrag “Lasst die Kinder spielen” daraufhin, dass vielleicht weniger Gefahren als Chancen im Umgang der Kids mit Computer und Konsole liegen:

“Das Deutsche Jugendinstitut hat zum Beispiel mal eine Analyse der Medienerfahrungen von Jugendlichen in der Familie gemacht und fasst zusammen:
Die visuellen Medien und die Musikmedien spielen im Alltagsleben heutiger Familien eine zentrale Rolle. Medien sind Lebensbegleiter. Im alltäglichen Umgang mit Medien entstehen bei Jugendlichen und Erwachsenen medien-biographische Erfahrungen. Die Jugendlichen suchen das breite Spektrum der Medienangebote (Filme, Sendungen, Musik, Bücher, Zeitschriften, Computer) nach ihren Themen ab; sie wählen „für sich” entsprechende Inhalte aus, die für ihre aktuellen Themen bedeutsam sind, z.B. Arbeit am Selbstbild, Ablösung von den Eltern, Abgrenzung gegenüber den Geschmackskulturen der Eltern, Vater-Suche sowie Freundschaftsbeziehungen. Bei dieser Auswahl ist eine geschlechtsspezifische Themen-Suche festzustellen.”

Das Fazit von Oliver ist also ein anders als Aufenangers: “Es ist wichtig, zusammen mit den Kindern Medien zu erleben. Sprich: Erst wenn die Medien für die Kinder eine Fluchtmöglichkeit bieten, also dafür genutzt wird, die Familiensituation zu verlassen, wirds unangenehm.”
 
Wobei auch für Oliver kar ist: Ferneseher gehören nicht ins Kinderzimmer, Zeitbeschränkungen des kindlichen Medienkonsums sind sinnvoll, schon deswegen, weil die Kids Gefahr laufen, vor lauter Bewegungsmangel zu verfetten. Stimmt: Zeitbeschränkungen sind sinnvoll – Kinder brauchen auch Zeit für andere Dinge wie Hausaufgaben, Freunde, Familienleben. Aber wer Regeln aufstellt, muss auch deren Einhaltung garantieren. Und das ist verdammt schwer – mir gelingts jedenfalls zu selten.

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