Familienpolitik

Matthias Horx über die Zukunft der Familie

Matthias Horx über die Zukunft der Familie

Vergangenen Montag war Familientag – die Familienministerin hatte zur Party nach Berlin geladen. Den interessantesten Beitrag zur der ansonsten eher tristen Veranstaltung lieferte Matthias Horx: Der Trendforscher und Familienvater referierte über „Die Zukunft der Familie“.

Nun kann man die bekannten Horxschen Vorhersagen für übertrieben, modisch oder sonst was halten. Eines sind sie aber mit Sicherheit nicht: negativ. Horx ist Optimist (berufsmäßig) und hebt sich damit wohlklingend von den „grantigen Männern und
wortgewaltigen Feuilletonisten“ ab, die die derzeitige Familiendebatte mit ihren Untergangsvisionen und Katastrophenbildern bestimmen. Da lohnt es sich allemal, den munteren Gegenentwurf des Zukunftsspezialisten anzusehen.

Ich habe Matthias Horx gebeten, mir den Text seiner Familientag-Rede zur Verfügung zu stellen, was er dankenswerterweise auch getan hat. Ich werde im Folgenden versuchen, daraus die wesentlichen Gedanken zur Zukunft der Familie zusammenzufassen.
 
Horx‘ Ansatz lautet ganz pragmatisch: Was brauchen Familien heute und in Zukunft? Was funktioniert in Sachen Familie bei unseren Nachbarn in Europa und anderswo?

1. Ein anderes Steuersystem. Die Familienpolitik früherer Jahre hat eigentlich nicht die Familie gefördert, sondern die Ehe als klassische Versorger-Ehe geschützt, sagt Horx. Ehe muss aber nicht unbedingt kinderfreundlich sein. Man kann in Deutschland Steuern sparen als Ehepaar, aber nicht unbedingt als Mutter oder Vater.
 
Beispiel Frankreich: Dort werden Familien vom dritten Kind an praktisch steuerfrei gestellt, es gibt also kein Ehegattensplitting, sondern eine Art Kindersplitting. Belohnt werden also Familien mit mehr als zwei Kindern, nicht die Ehe. Effekt: eine höhere Geburtenrate.

2. Flexible Arbeit. Das alte Mann-zentrierte Modell hat ausgedient, findet Horx: Papa hat einen Vollzeitjob und Mama bleibt zu Hause, gibt es nicht mehr. Es reiche aber nicht, die Arbeit ein bisschen umzuorganisieren und zum Beispiel hochgebildete Frauen in Halbtagsjobs versauern zu lassen, während ihre Männer weiter Voll-Karriere machen. Vielmehr müssten die Grenzen zwischen Familie und Beruf durchlässiger werden.

Beispiel: In den USA gibt es bereits tausende von Firmen, die sich um die Betreuung der Kinder im Betrieb kümmern, während die Eltern arbeiten.

3. Familienservices. Wer Familien voranbringen will, müsse ihnen auch maßgeschneiderte Dienstleistungen zur Erleichterung ihres Alltags anbieten. Also etwa Kinderbetreuungen, verlängerte Öffnungszeiten bei Ärzten und Kindergärten, Lieferdienste usw. Denn wer eine Familie habe, brauche zwecks Organisation des komplizierten Tagesablaufs ganz praktische Service-Unterstützung.

4. Familien brauchen ein anderes Schul- und Lernsystem. Die geburtenstarken und familienfreundlichen Länder Europas haben ein anderes Schulsystem als Deutschland. Unser Schulsystem entspricht in seiner Dreiteilung noch immer der frühindustriellen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Es ist zu wenig durchlässig, es fängt zu spät an und hört zu spät auf, es vermittelt keinen Spaß am Lernen, stellt Horx fest. Die Kinder verbringen also zu viele langweilige Jahre auf der Schule, zugleich erschwert der immer noch übliche Halbtagsunterricht die Berufsausübung der Eltern.

5. Neue Männer. Die Familie der Zukunft benötige nicht den Halbtagsmann oder die Halbtagsfrau, sondern eine sinnvolle Organisation der verschiedenen Haus-Aufgaben, unter Berücksichtigung der Potenziale beider Eltern. Muttermodell gegen Doppelverdienermodell sei die falsche Alternative. Heute hätten schließlich beide Geschlechter eine berufliche Perspektive – sie muss nur fair organisiert werden.

6. Schließlich braucht die Familie laut Horx Zukunfts-Optimismus. Unsere Gesellschaft als ganze müsse eine andere Ton- und Stimmlage wählen: Keine Angst mehr vor dem demografischen Untergang – gerade Familienmenschen wüssten, dass Ängste zum Leben gehören, aber überwunden werden können, wenn man sich nicht weigert, erwachsen zu
werden.

Oder wie Zukunftsforscher Matthias Horx es ausdrückt:

„Ich bin optimistisch für die Familie. Ich glaube auch nicht, dass die Deutschen aussterben, Aussterben ist gar nicht so einfach. Man muss sich, wie zahlreiche Beispiele in Natur und Geschichte zeigen, nicht nur blöd anstellen. Sondern sehr blöd. Und das unter allen Umständen. Über eine längere Zeit. Sind wir so blöd? Ich glaube, wir sind es nicht.“

Sind wir so blöd? Ich hoffe, wir sind es nicht.

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