Ladenhüter Schuluniform

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Brauchen wir Schuluniformen? Die Einführung einheitlicher Schulkleidung in deutschen Schulen wird seit Jahren immer wieder von Lehrern, Eltern und Politikern gefordert. Zuletzt von Bundesjustizministerin Zypries, die sich von einer Art Schuluniform einen problemloseren Umgang mit verschleierten, muslimischen Schülerinnen erwartet: Mit der Schulkleidung würden nicht nur die Burkas, sondern auch Probleme, die sich durch soziale Unterschiede ergeben, beseitigt, glaubt die Ministerin.

Und was glaube ich? Das Thema Schuluniform ist ein Ladenhüter. Es spricht vieles dafür, dass wir auch in den kommenden Jahren keine uniformierten Schülerheere in Deutschland haben werden.

So richtig begonnen hatte die Debatte um Schuluniformen vor sechs Jahren. Die Hamburger Haupt- und Realschule Sinstorf führte als erste staatliche Schule in Deutschland eine einheitliche Schulkleidung ein. Trotz positiver Erfahrungen aus diesem Experiment haben bislang erst wenige Schulen in Deutschland nachgezogen und ihre Schüler umgezogen.

Die Vorteile der Schuluniform

Der Hamburger Senat hat allerdings beschlossen, vom kommenden Schuljahr an die Schulkleidung in der Hansestadt zu fördern. Auf freiwilliger Basis sollen dann weitere Schulen den Einheitslook einführen. Die Hamburger begünden diesen Schritt im Wesentlichen mit zwei Argumenten: Die einheitliche Schulkleidung schaffe eine besondere Schulindentität. Das entstehende Wir-Gefühl der Schüler unterstütze das Lernen und die Aufnahmefähigkeit im Unterricht. Der pädagogische Effekt der Schulkleidung liege auch im verstärkten sozialen Lernen: Die neuen Klamotten trügen auch eine Diskussion über den Umgang untereinander in die Klassenzimmer.

Das Hauptargument der Schuluniform-Befürworter hierzulande lautet: Der Konkurrenzkampf der Kinder um die besten und teuersten Klamotten könne durch eine einheitliche Kleidung unterbunden werden. Wenn Markenklamotten zu Hause bleiben müssen, gäbe es auch keinen Diebstahl, Streit oder Mobbing mehr wegen der Garderobe.

Eine Studie der Uni Gießen über die Sinstorfer Erfahrungen stellt tatsächlich ein verbessertes Schulklima nach Einführung der Schulkleidung fest. Der Psychologe Oliver Dickhäuser wertete die Befragung der 400 einheitlich gekleideten Schüler aus: “In den siebten und achten Klassen zeigt sich bei den Trägern einheitlicher Pullis ein besseres Sozialklima.” Die Schüler gaben auch an, sich in der Schule besser konzentrieren zu können und legten mehr Wert auf ein tieferes Verständnis der Lerninhalte.

Die Nachteile der Schuluniform

Also durchweg gute Noten fur die Schuluniform? Der Forscher schränkt ein: Es gibt zu wenig gesicherte bzw. übertragbare Erkenntnisse aus anderen Schulen und Ländern mit Schuluniform. Dickhäuser sieht auch einen Nachteil der Uniformierung: “Man nimmt den Jugendlichen in einem gewissen Maße ein Mittel zum Selbstausdruck.” Das ist auch ein zentrales Argument der Schuluniform-Gegner. Sie befürchten eine Art Gleichmacherei, die den Schülern Individialität nehme, wenn nicht gar das Recht zur freien Selbstentfaltung einschränke.

Ein stärkeres Gegenargument: Die einheitliche Schulkleidung verlagere gewisse Probleme nur. Bei gleich gekleidetetn Schülern werden eben nicht die Klamotten abgezogen, sondern Statussymbole wie Handys und MP3-Player geklaut. Oder die Auseinandersetzungen werden im privaten Bereich ausgetragen, wo ja jeder tragen kann, was er will und dann eben auf der Straße und nicht auf dem Schulhof Mobbing- oder Überfallopfer werde.

Die Uniform-Befürworter betonen immer wieder, die einheitliche Schulkleidung ebne soziale Unterschiede ein – Arm und Reich wirken in Uniform eben gleich. Eine Nivellierung, die teuer erkauft werden muss und gerade für einkommenschgwache Eltern eine echte Belastung werden dürfte: Auf die Eltern kommen erhebliche Mehrkosten durch die Anschaffung einer Schuluniform zu. Da der Staat sich nicht an den Kleiderkosten beteiligt, werden pro Schuljahr 200 bis 300 Euro für die Uniformausstattung fällig. In
Sinstorf kostet eine Jacke allein zum Beispiel 25 Euro.

Ein wenig aus der Mottenkiste gegriffen sind dagegen die Bedenken, die der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes anführt: Es gebe in Deutschland keine historisch unbelastete Tradition der Schuluniform. Anders als etwa in England habe das Bild uniformierter Jugendlicher im Dritten Reich in Deutschland eine Abneigung gegen Schuluniformen entstehen lassen, so Oberlehrer Heinz-Peter Meidinger.

Keine Chance für einheitliche Schulkleidung

Uniformen machen auch mir keinen Spaß, ich sehe aber vor allem ein ganz pragmatisches Argument, dass auch bei möglichen positiven Effekten einer Uniform oder einheitlichen Schulklamotte gegen die Neueinkleidung unserer Schüler spricht: Die Rechtslage in Deutschland gestattet keine flächendeckende Einführung von Schuluniformen. Und nur dann wäre eine Uniform uniform. Wenn an der Nachbarschule die Kids so herumlaufen wie ehedem, wird die Maßnahme ihr Ziel weitgehend verfehlen.

Bildung ist in Deutschland (leider) Ländersache – es sollten sich aber konsequenterweise alle 16 Länder grundsätzlich einig sein, wie und wann eine Uniform kommt. Eine derartige Einigung erscheint utopisch. Ob aber wenigstens auf Länderebene die Einführung von Schuluniformen für alle Schulen vorgeschrieben werden kann, ist juristisch umstritten. Nicht ohne Grund überlässt es der Hamburger Senat den einzelnen Schulen, die Uniform einzuführen und weicht somit einer Klärung der Rechtslage aus. Ergebnis: Es wird Inseln der Uniformierten inmitten eines weiterhin schillernden Mode-Ozeans geben.

Ohne halbwegs vebindliche Kleiderordnung wird die Schuluniform zum Ladenhüter, der immer mal wieder aus dem Schrank geholt wird, wenn man Integrationsprobleme lösen oder Markenfetischismus und Gewalt an Schulen bekämpfen will. Probleme, weitaus bedeutender sind als die Frage einer Schuluniform.

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Über Thomas Meins

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Eine Meinung zu “Ladenhüter Schuluniform

  1. jerry
    18. Juni 2007 um 17:37

    schlunifomen fur oder gegen etwas was wir wollen oder nicht

    also ihr gibt ihren kindern zu viel also zufrieden im leben werden sie nicht sein mann sollte die kindern die zu viel wollen einen ganzen monat arbeiten lassen

    und sie sollten alleine wohnen und zahlen dann werden wir ja schon mal sehen wie dass leben ist es ist ja gut so lange mama papa alles zahlen

    sie wiessen ja mal nicht mehr was liebe ist denn mann schiebt ihnen alles zum mund hinein

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