Familienleben

Schlechte Noten durch mehr Medienkonsum – und schlechte Laune

Schlechte Noten durch mehr Medienkonsum – und schlechte Laune

Viele Experten forschen seit vielen Jahren an einem verdammt dankbaren Thema: Kinder und Medienkonsum. Dabei werden viele Studien produziert, die in vielen Fällen zum gleichen Ergebnis kommen: Fernsehen, Computer und Spielekonsolen sind schädlich für Kinder. Wie und warum diese Medien schädlich wirken sind, wissen die meisten dieser Studien nicht zu sagen, aber schädlich sind sie auf jeden Fall.

Eltern, Pädagogen und manchmal auch Politiker fordern daraufhin in einer kurzen Schrecksekunde Konsequenzen: harte Verbote, neue Gesetze, mehr Aufklärung, bessere Schulen, mehr Ganztagsunterricht. Dann ist wieder Ruhe im Karton. Bis zur nächsten Studie.

Der Jugend-Experte

Der Hannoveraner Jurist und Sozialwissenschaftler Christian Pfeiffer, Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), ist einer dieser Experten, die seit Jahren am Thema jugendlicher Medienkonsum arbeiten. Seine jüngste Studie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Mediennutzung und Schulleistungen. Das Ergebnis: Medienkonsum wirkt sich negativ auf die schulischen Leistungen aus. Eine banale Erkenntnis, und wenn man es näher betrachtet, ist das ganze eine ärgerliche Zahlenhuberei.

Fernseher im Kinderzimmer

Zu den Fakten: Pfeiffer hat in München und Dortmund den Medienkonsum von 10 – 15-Jährigen untersucht. Dabei hat er festgestellt, dass fast zwei Drittel der Münchner Jungen der 9. Klasse einen Fernseher im Zimmer stehen haben, bei den Mädchen mehr als die Hälfte. Fast 30 Prozent der Jungen der 4. Klasse haben ein TV-Gerät, über 26 Prozent eine Spielkonsole und über 38 Prozent einen Computer im Kinderzimmer.

Noch früher mit noch mehr Geräten im eigenen Zimmer sind die Kids in Dortmund ausgestattet. Was den niedrigeren jugendlichen Medienkonsum in München erklärt: Dort verbringen die Jungen im Schnitt täglich drei Stunden und 36 Minuten vor dem Monitor, in Dortmund eine Stunde länger. Wer eigene Geräte im Kinderzimmer hat, so Pfeiffer, zieht sich auch mehr von dem verbotenen Stoff rein, nämlich Filme und Spiele, die erst ab 16 bzw. 18 freigegeben sind. Die Folgen: Schulnoten fallen um so schlechter aus, „je mehr Zeit die Kinder mit Medienkonsum verbringen und je häufiger sie dabei verbotene Inhalte bevorzugen.“ Das erkläre auch das Pisa-Gefälle zwischen Nord und Süd. In Bayern wird weniger geglotzt, ergo sind die Schulleistungen besser.

Pisa-Erfolg nur ohne Glotze?

Und jetzt? Fahren wir im Norden die Rechner runter, schmeißen die Fernseher aus dem Fenster und schließen die Playstation weg, damits auch wieder mit Pisa klappt? Eben nicht. Damit wir uns richtig verstehen: Natürlich macht es einen Unterschied, ob die Kids eine Stunde oder fünf Stunden vor der Glotze hängen, natürlich gucken sie mehr (und vielleicht auch ungeeigneten Stoff), wenn die Geräte im Kinderzimmer stehen. Natürlich braucht kein Kind einen eigenen Fernseher. Und natürlich kann ein Bursche von elf Jahren, der nachmittags über vier Stunden an der Konsole daddelt, nicht vernünftig seine Hausaufgaben erledigen – er hat einfach keine Zeit dazu.

Qualität und Quantität

Aber das weiß ich, ohne einen Blick in eine wissenschaftliche Studie zu werfen. Was ich nicht weiß, und was mir auch diese Studie nicht verrät: Wie und warum wirken welche Medien auf welche Kinder? Das ist das weite Feld der Wirkungsforschung. Dort geht es um Qualitäten. Studien wie die von Pfeiffer messen Quantitäten, sie zählen, rechnen und haben am Ende ein Ergebnis. Ein zweifelhaftes. Der bayerische Kultusminister würde den Pisa-Vorspung des Freistaates sicher nicht durch den geringeren TV-Konsum Münchner Kinder erklären, sondern mit der Qualität des Unterrrichts an den Schulen des Landes. Steigender Medienkonsum wirkt sich bestimmt irgendwie auf die schulischen Leistungen aus, ganz sicher aber bewirken bestimmte Studien bei mir schlechte Laune.

Kommentare anzeigen (6)

6 Comments

  1. Dominik

    26. April 2006 in 22:42

    Da stellt sich mir die Frage, ob Fernsehen oder diese Art von wissenschaftliche Studien schädlicher sind.

  2. Thomas Meins

    26. April 2006 in 23:05

    Ist wie mit jeder Droge – zu viel geht auf den Geist. Sicher ist zu viel (wie viel ist das genau?) TV schädlich, Studien, die nur Vermutungen wiederholen statt aufzuklären, machen niemanden schlauer.

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  5. Pingback: absolut familie » Fernsehen stört Kinderschlaf

  6. Elke B.

    19. Februar 2007 in 10:14

    Warum glaubt niemand gerne an solche Studien? Meine Antwort: Weil sie unbequem sind! Da müssten sich die Eltern doch tatsächlich selbst etwas einfallen lassen, um ihre Kinder zu beschäftigen. Zudem nutzen die meisten (mich eingeschlossen) das Medium Fernsehen und Computer. Also für mich eindeutig: Ich glaube natürlich lieber das, was mir lieb ist….

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