Familienpolitik

Rettet Deutschland! Aber wie?

Rettet Deutschland! Aber wie?

Baby-Schock, Kinder-Krise, demografische Katastrophe – seit Tagen tobt unter diesen oder ähnlichen Schagzeilen eine Debatte um die Zukunft des Landes. Laut „Bild“ sterben die Deutschen sogar aus. Aber mal angenommen, wir würden den Versuch einer Rettung unternehmen – außerdem möchte ich ja wissen, wer meine Rente bezahlen soll – was empfehlen die Experten in Sachen Bevölkerungs- und Familienpolitik? Die Vorschläge der Fachleute überzeugen mich nicht – aber lesen Sie selbst.

Johann Eekhoff, Direktor des Instituts für Wirtschaftspolitik der Uni Köln, meint: Die Renten von Kinderlosen müssten um die Hälfte gekürzt werden.

Norbert Geis, CSU-Bundestagsabgeordneter, haut in die gleiche Kerbe: Kinderlose sollen entweder eine verminderte Rente bekommen oder mehr in die Rentenkasse einzahlen.

Karl Lauterbach, SPD-Sozialexperte, und Hans Werner Sinn, Präsident des Münchner Institus für Wirtschaftsforschung, fordern: Gering verdienende Eltern müssten eine höhere Rente bekommen.
  
Der Soziologe Franz-Xaver Kaufmann meint: Die Kinderlosen sollen zur kollektiven Zukunftsvorsorge durch zusätzlichen Konsumverzicht und die Bildung von Ersparnissen beitragen. Die ökonomischen Vorteile der Kinderlosigkeit müssen abgebaut werden, um die Familien ausreichend zu fördern.
   
Die zuständige Familienministerin Ursula von der Leyen bleibt bei den bekannten familienpolitischen Maßnahmen: Junge Familien brauchen Einkommen, deshalb wird 2007 das Elterngeld eingeführt. Die Angebote für Kinderbetreuung müssen ausgeweitet werden. Die Wirtschaft soll Erziehende fördern, damit sie trotz familiärer Belastungen berufliche Chancen haben.
  
Kerstin Griese, SPD, Vorsitzende des Familienausschusses des Bundestages: Das Hauptproblem ist die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Kind. Deshalb wird die Kinderbetreeung ausgebaut und das Elterngeld kommt.
 
Die „Zeit“-Autorin Iris Radisch bringt einen neuen Aspekt in die Diskussion, sie fordert: Die Männer müssen familiärer werden – ein Mann, der ein Kind bekommen hat, ist noch lange kein (guter) Vater. Nach wie vor stehen die Frauen nämlich zu häufig allein mit den Kindern da.

Reiner Klingholz, Bevölkerungsexperte des Berlin-Instituts, hat einen ganzen Maßnahmenkatalog parat: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss verbessert werden, etwa durch die Gleichbehandlung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt. Ferner sollten die finanziellen Privilegien der Instutution Ehe abgeschafft werden (also das Ehegattensplitting); die Kinderbetreuung bereits ab dem ersten Lebensjahr muss sichergestellt werden.
 
Britta Haßelmann, Bündnis 90/Die Grünen, meint etwas wolkig: Gefragt sind jetzt ganzheitliche und nachhaltige Ansätze für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Dem widerspricht Jürgen Borchert, Sozialrichter: Das Problem ist nicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern die hohe Steuer- und Sozialabgabenbelastung der Familien. Um die Familien zu entlasten, müssten die Kinderlosen höhere Abgaben leisten.

Autor und „FAZ“-Herausgeber Michael Schirrmacher setzt auf traditionelle Werte und meint: Nur die Rückbesinnung auf die Urgewalt Familie kann die Gesellschaft retten.

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