“Und was machen Sie in den Sommerferien?”
Gute Frage. Noch fünf Wochen bis Ostern und vier Monate bis zu den Sommerferien. Was heißt das also für den Haushaltsvorstand? Höchste Zeit, sich Gedanken über den Familienurlaub im Sommer zu machen. Strand oder Berge, Flieger oder Auto –
Der zweite Grund für den Urlaub in den Bergen mit dem eigenen Auto: Die älteste Tochter weilt am Genfer See zum Schüleraustausch, um ihr Französisch zu polieren. Gemeinsamer Urlaub heißt also, in die Alpen fahren, das Kind einsammeln und dann…
Vom Schwarzwald in die Schweiz
Dann fangen die Plannungen erst richtig an. Die Schweiz ist weit und teuer. Auf dem Weg dahin brauchts auf jeden Fall eine Pause. Also könnten wir den geliebten Schwarzwaldferienhof im lieblichen Kirnbach ansteuern, wo wir schon die letzten Jahre die Ferien verbracht haben. Ein paar Tage Ruhe, frische Luft, Viecher und Tannen, so weit das Auge reicht. Und sehr nette Leute. Die beiden Kleinen sind begeistert. Das machen wir.
Aber was dann kommt, ist ein Vorstoß zu den weißen Flecken auf der Familien-Ferienweltkarte – die Alpen. Außer dem Haushaltsvorstand hat sie noch keiner aus der Familie je gesehen, geschweige denn erklettert. Man schwärmt sofort von Kuhglockenkonzerten, Gletschern, unerhörten Gipfeln, unendlichen Wandermöglichkeiten. Interessiert die Kids aber nicht sonderlich.
Gut, erstmal nach Lausanne. Ob man denn dort am Genfer See nicht noch ein paar Tage bleiben könnte, fagt die Ehefrau. Könnte man, ja, wenn die Sache mit dem Geld nicht wäre. Eine kurze Recherche ergibt: Das billigste Hotel ist eines von diesen Standardmassenunterkünften am Stadtrand, die mehr nach Gewerbezweckbau als nach Urlaubsdomizil aussehen. Auch das hat seinen Preis: über 160 Euro am Tag tout la famille. 160 sind okay, aber für diesen Klotz…
Kein Shopping in Mailand
Vielleicht gibts für zwei Tage eine kleine Pension im feinen Lausanne. Vom Genfer See soll es nach Südtirol gehen, in ein Dorf nahe Bozen. Laut Routenplaner eine stramme Strecke von 600 Kilometern, zwischen Viertausendern hindurch, durch den St.-Bernhard-Tunnel und vorbei an Milano. Vorbei? Könnte man nicht, wenn man schon in der Nähe ist, in Mailand eine 24-Stunden-Pause einlegen? Ein nettes, bezahlbares Hotel in der Umgebung ist überraschend schnell gefunden.
Aber dieser Abstecher hätte einen gewaltigen Haken – so gewaltig, dass du locker alle Klamotten aus dem überfüllten Kleiderschrank der Ehefrau raufkriegen würdest. Mit drei leidenschaftlich gern shoppenden Frauen und ohne die VISA-Goldcard die Mode-Metropole stürmen? Durch zig Outletstores geschleift und reingeworfen werden in die edelsten Einkaufspassagen, um hinterher die Einkaustüten im Auto zu stapeln? Das deckt sich nicht mit den Urlaubsvorstellungen des Haushaltsvorstands. Mailand ist abgelehnt, aber tuto completto.
Das Berghotel bei Bozen
Also gehts direkt nach Bozen, in die nördlichste Ecke Italiens. Wie das benachbarte Meran hatte die Südtiroler Landshauptsadt immer das Image eines Rentnerparadieses für mich. Zu unrecht. Wenn man nicht den ganzen Tag auf dem Waltherplatz Cappuccino trinken und abends in den Gassen um den Obstmarkt Wein schlürfen möchte – in und um Bozen gibt es genügend Ablenkung. Und ich meine damit nicht die vielen “tollen” Einkaufsmöglichkeiten.
Im Archäologiemuseum kann man Ötzi einen Besuch abstatten, und ab Juni hat auch der Bergfex Reinhold Messner sein eigenes Museum. Sein Messner Mountain Museum Firmian residiert auf Schloss Sigmundskron im Süden der Stadt. Obs auch Bilder vom Yeti in der Ausstellung gibt? Oder ein paar Tipps aus erster Hand für eine Wandertour?
Für die Unterkunft verlassen wir uns auf eine Empfehlung einer ortskundigen Bekannten. Es geht für sechs Tage in ein gediegenes Berghotel mit etlichem Komfort, den Zirmerhof in Oberradein: Pool, Marmorbäder, Weinkeller, Spitzenküche. Sehr verlockend.
Noch verlockender ist aber eigentlich die Aussicht auf Gebirgswanderungen und die wilde Bletterbach-Schlucht gleich um die Ecke (hier tummelten sich einst Saurier). Sollen die Kinder im Pool plantschen, du wirst die Zweitausender packen, wie den Radeiner Hausberg, das Weißhorn (zahme 2313 m). Sticht die südliche Sonne allzusehr, lockt ein Abstecher an den Gardasee.
Zum Finale a bisserl Mozart
Aber irgendwann muss es zurück in den Norden gehen. Das wird eine lange Tour, von Südtirol nach Hamburg. Also muss die Familienexpedition wieder eine Pause einlegen. Salzburg wird in die Diskussion geworfen. Mon dieu, ausgerechnet Mozart. Aber es liegt auf dem Weg und die Ehefrau schwärmt davon. Und dem soll man ja manchmal nachgeben.
Von Bozen nach Salzburg sind es 300 Kilometer, der Routenplaner weist 2 Stunden und 53 Minuten Fahrtzeit aus. Der kennt mein alterschwaches Auto nicht. Überhaupt die große Unbekannte in der ganzen Planung. Wenn die Familienkutsche wieder mal rauchend am Straßenrand liegenbleibt, wirds schnell eine ganz teure Veranstaltung. Also das Auto nach Afrika verkaufen und selbst mit dem Urlaubsflieger hinterher? Nö – ADAC-Mitgliedsausweis einstecken und Gas geben.
Vorausgesetzt, die Kiste hält, werden es 2550 Kilometer Straße in 16 Tagen und vier Ländern. Da dürfte eigentlich keine Langeweile aufkommen, für den Autofahrer sowieso nicht. Vielleicht sollte man noch ein paar stille Tage am heimischen Ostseestrand dranhängen – nur so zum Entspannen.
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